Ernte:Äpfel mit Sonnenbrand

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Erntehelfer pflücken auf der Apfelplantage eines Bioobsthofes aus Gornhofen bei Ravensburg. (Foto: Felix Kästle/dpa)

Die deutschen Landwirte rechnen mit einer schwachen Apfelernte. Dafür gibt es mehrere Gründe: Mancherorts ist der Hagel schuld, anderswo die Trockenheit.

Von Leon Kirschgens

Nur noch wenige Tage, dann beginnt für viele Obstbauern in Deutschland die Apfelernte. Doch ausgerechnet der Ertrag des deutschen Lieblingsobstes wird in diesem Jahr wohl schlechter ausfallen als im Vorjahr: Insgesamt erwarten Experten eine Gesamtmenge von rund 912 000 Tonnen Äpfeln in Deutschland. Die Durchschnittsmenge liegt bei etwa einer Million Tonnen Äpfel.

Die Gründe für die geringeren Erträge variieren je nach Region. In Baden-Württemberg macht vielen Bauern die Trockenheit und der starke Behang des Vorjahres zu schaffen, andernorts sorgen Spätfröste und Hagelschäden für eine geringere Ernte. Viele Äpfel erlitten sogar einen Sonnenbrand, der sich durch braune Stellen bemerkbar mache. Das baden-württembergische Landwirtschaftsministerium erwartet 20 Prozent weniger Ertrag als im Rekordjahr 2018. Allerdings liegt er damit immer noch elf Prozent über dem Durchschnitt der vergangenen sechs Jahre.

Ähnlich sieht die Lage im Rheinland aus. Der Provinzialverband Rheinischer Obst- und Gemüsebauern erwartet in diesem Jahr etwa 50 200 Tonnen Äpfel - 14 Prozent weniger als im Vorjahr. Das sei allerdings nichts Ungewöhnliches, sagt Bernhard Rüb von der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen. Nach solch einem guten Jahr folge natürlicherweise ein Jahr mit weniger Ertrag. Dieser zweijährige Rhythmus werde auch Alternanz genannt, die Bäume brauchen eine Art Ruhepause. Viele Landwirte hoffen deshalb in diesem Jahr auf bessere Preise, nachdem sie im vergangenen Jahr aufgrund des Überangebots niedrig gewesen sind.

Auch die Verbraucher seien nun gefragt, sagt der baden-württembergische Landwirtschaftsminister Peter Hauk (CDU): "Mit einer bewussten Kaufentscheidung für regionale Äpfel kann jeder seinen Beitrag zum Erhalt unserer einmaligen und wertvollen Kulturlandschaften leisten und unsere Obstproduzenten unterstützen."

Den Großteil der Ernte in Deutschland machen die Sorten Elstar, Jonagold, Gala und Braeburn aus. In der Bodenseeregion, dem größten Apfelanbaugebiet Baden-Württembergs, beginnt die Ernte offiziell am 6. September. Immerhin: An der Qualität der Äpfel ändere die geringere Ernte nichts − im Gegenteil: Karl-Ludwig Rostock vom Bayerischen Erwerbsobstbau-Verband erwartet für dieses Jahr süße Äpfel von guter Qualität. "Denn Sonne hatten wir ja genug."

© SZ vom 03.09.2019 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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