bedeckt München 17°
vgwortpixel

Ernährung:Statt indischer Billiggurken

Wo Cornichon draufsteht, sollen auch echte Cornichons drin sein: Bald sollen wieder mehr der Gewürzgürkchen aus Frankreich kommen.

Die Hoffnung ist senfgrün und schwimmt in würzigem Essigsud: Das Cornichon erlebt ein Comeback. Seit gut einem Jahr ist das original französische Gewürzgürkchen wieder erhältlich.

Vor 25 Jahren stammten Cornichons noch ausschließlich aus Frankreich. Aber dort erlauben die klimatischen Verhältnisse nur eine Ernte jährlich, während die indischen Bauern dreimal im Jahr Gurken einfahren können. Deshalb seien die französischen Hersteller "zunehmend dazu übergegangenen, sich mit indischer Ware einzudecken", erzählt Emmanuel Bois, Geschäftsführer der Schweizer Reitzel-Gruppe. Heute stammen 80 Prozent der in Frankreich verkauften Gewürzgürkchen aus Indien, 20 Prozent aus osteuropäischen Ländern. Original-Cornichons sind höchstens noch in Delikatessläden erhältlich. Der Kunde merkt es nicht - die Herkunft von Einlegegurken und anderen verarbeiteten Produkten muss nach EU-Vorgaben nicht auf dem Glas gekennzeichnet werden.

Reitzel will nun in den französischen Werken in diesem Jahr 400 000 Gläser "echte" Cornichons herstellen, knapp viermal so viele wie 2016. Das ist zumindest ein kleiner Anfang. Erschwert wird das Comeback durch den Preis: Die Gürkchen "Made in France" sind teurer als die Importware: Während ein Hersteller für ein Kilo Gurken aus Indien im Schnitt einen Euro bezahlt, schlagen die französischen mit fünf bis sechs Euro zu Buche.

In Niederbayern, immer noch das größte Anbaugebiet für Einlegegurken in der EU, haben sich die Bauern vom Markt für Cornichons hingegen verabschiedet. Deutsche Hersteller ließen vor allem in osteuropäischen Ländern wie Polen, Tschechien oder Bosnien produzieren, wo die Löhne deutlich niedriger und die Gurken zum Teil besser wachsen, sagt Theo Däxl vom Bayerischen Bauernverband. "Ob das Gurkerl im Glas aus Indien, Polen oder Niederbayern kommt, kann ein Verbraucher ohnehin nicht nachvollziehen." Deshalb setzt sich der Bauernverband dafür ein, die EU-Regeln zu ändern: Damit ein "Cornichon" oder eine "bayerische Gurke" sich wieder zu Recht so nennen können.