Ernährung - Roggentin:Produktionshalle für Insektenmehl entsteht in Rostock

Agrar
Raijana Schiemann zeigt in einer Pilotanlage Mehlwürmer. Foto: Bernd Wüstneck/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild (Foto: dpa)

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Rostock (dpa/mv) - Das junge Rostocker Start-up-Unternehmen Inova Protein vergrößert sich und investiert in eine Produktionshalle. Ziel sei die Produktion von Insektenmehl, das nach Angaben der Geschäftsführerin Raijana Schiemann als Lebensmittel dienen soll. In der knapp 800 Quadratmeter großen Halle sollen künftig pro Monat 1,5 Tonnen Mehl aus Mehlwürmern produziert werden. An diesem Mittwoch beginnt der Bau mit dem ersten Spatenstich, Schiemann ging von einer Gesamtinvestition von rund zwei Millionen Euro aus.

Noch arbeitet die junge Crew in einem Kellerraum der Uni Rostock mit 150 Kisten mit Mehlwürmern und Käfern in unterschiedlichen Entwicklungsstadien. "In der Halle werden es 25 000 Kisten sein", sagte Co-Geschäftsführer Christian Baudisch. Ziel sei es, die Produktion und die Qualitätskontrolle vollständig zu automatisieren. Dies sei Teil des Innovationskonzeptes.

Für Schiemann liegen die Vorteile des Insektenproteins mit dem nussigen Geschmack im Vergleich zu Proteinen aus der Nutztierhaltung auf der Hand: Es entstehe in Größenordnungen weniger CO2, der Wasserverbrauch sei ebenso wie der Futterverbrauch minimal, und es entstünden keine Abfälle. Die Marktanalyse zeige, dass es derzeit nur wenige Produzenten für eine wachsende Nachfrage gebe.

Inova Protein wurde 2020 gegründet und erhielt im Juni vergangenen Jahres für die Entwicklung, Herstellung und Vermarktung von Insektenmehl den Innovationspreis Inno Award. Von dem Projekt profitierten nicht nur Umwelt- und Gesundheitsbewusste, hieß es damals. Es sei auch für Sportler oder Heimtier-Futterhersteller geeignet.

"Aus ernährungsphysiologischer Sicht eignen sich Insekten gut für die menschliche Ernährung", lautet die Einschätzung des Bundesinstituts für Risikobewertung. Sie seien energie- und nährstoffreich, wiesen hohe Gehalte an für den Menschen essenziellen Aminosäuren sowie ungesättigten Fettsäuren auf.

Im Mai war der gelbe Mehlwurm (Tenebrio molitor) von der EU als erstes Insekt als neuartiges Lebensmittel zugelassen worden. Laut Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) darf die getrocknete Larve des Mehlwurms als Ganzes oder gemahlen verkauft werden. Außerdem kann sie als Zutat bis zu einem Anteil von zehn Prozent in verschiedenen Lebensmitteln, zum Beispiel Nudeln oder Keksen, eingesetzt werden.

"Es ist ein Lebensmittel unter vielen und eine Bereicherung des Speisezettels", sagte BVL-Expertin Evelyn Breitweg-Lehmann. Und letztlich sei es eine Geschmacksache, über die die Verbraucher zu entscheiden haben. Es sei aber ein wertvolles Protein. Die Hersteller müssten allerdings auf das Etikett einen Hinweis über mögliche Kreuzreaktionen zu Allergien gegen Krustentiere oder Hausstaub-Milben drucken.

© dpa-infocom, dpa:211012-99-565014/3

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