Ernährung Die Welternährung liegt in den Händen von sechs Konzernen

Gerettet ist die Pflanzenvielfalt damit noch lange nicht. Entscheidend ist, diesen Schätzen einen Platz in der Natur einzuräumen, bevor sie ganz in Vergessenheit geraten - ein Kraftakt, doch ein lohnender. Alte Sorten versprechen nicht nur eine Entdeckungsreise in längst vergessene Geschmackswelten. Manche ihrer Eigenschaften könnten in der Zukunft sogar überlebenswichtig werden, etwa Resistenzen gegen Krankheiten oder ein geringer Wasserverbrauch.

Diese Aufgabe lässt sich nur mit vereinten Kräften bewältigen. Geradezu alarmierend ist es deshalb, dass der Saatgutmarkt zunehmend unter den Machteinfluss großer Unternehmen gerät. Nur sechs Agrarkonzerne kontrollieren mittlerweile fast drei Viertel der wichtigsten Nahrungsmittelpflanzen. Damit liegt die Welternährung in ihren Händen - eine gefährliche Abhängigkeit, die sich durch die geplante Fusion von Bayer und dem US-Konzern Monsanto weiter verschärfen wird.

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Gen-Pflanzen versprechen besonders hohe Erträge

Dass Agrarkonzerne kein Interesse daran haben, möglichst viele Sorten zu pflegen und anzubieten, kann man ihnen nicht zum Vorwurf machen; es ist nicht ihre Aufgabe. Sie verdienen am meisten, in dem sie einige wenige Hochleistungssorten anbieten, samt den passenden Pestiziden und Düngemitteln. Besonders hohe Erträge versprechen gentechnisch-veränderte Pflanzen, weil sich darauf Patente anmelden lassen, die hohe Linzenzgebühren einbringen. Dabei ist das Patentieren von Pflanzen eigentlich verboten, auch in der Europäische Union.

Doch das Verbot lässt sich leicht umgehen, wenn moderne Technologien im Spiel sind. Immer mehr Firmen deklarieren so Pflanzen als eigene Erfindung. Ein absurder Anspruch, angesichts der gewaltigen Vorarbeit durch die Evolution. Millionen Jahre hat es gedauert, bis die ersten Gräser wuchsen. Unzählige Generationen von Bauern züchteten daraus den ersten Weizen.

Es gilt zu retten, was noch zu retten ist

Der Politik ist vorzuhalten, dass sie diesem Treiben zu lange tatenlos zugeschaut hat. Gegen die Konzentration in der Branche hätte sie längst einschreiten müssen, wie auch gegen den groben Missbrauch des Patentrechts. Die Artenvielfalt und der Erhalt der Ernährungsgrundlage verlangen einen besonderen Schutz. Doch eine industriefreundliche Politik hat genau das in den vergangen Jahrzehnten immer schwieriger gemacht. Damit nicht genug: unsinnige Gesetze behindern diejenigen, die sich für die Artenvielfalt einsetzen.

Nun gilt es zu retten, was noch zu retten ist. Die Landwirtschaft muss wieder bunter werden. Gelingen wird das nur, wenn sich der Artenschutz auch für die Erzeuger lohnt. Das Geld dafür wäre vorhanden. Die Landwirtschaft ist einer der größten Subventionsempfänger in der EU, die Mittel müssten nur gezielt eingesetzt werden.

Vor allem aber müssen Politik und Gesetzgeber dem Artenschutz endlich die Bedeutung einräumen, die ihm zusteht. Die genetische Vielfalt der Pflanzenwelt ist ein Erbe, das der ganzen Menschheit zusteht und das nicht in die Verantwortung mächtiger Konzerne gehört. Der Schutz der Vielfalt ist ein wertvolles Gut, das alle etwas angeht.

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