Süddeutsche Zeitung

Erhöhung des Briefportos geplant:Notopfer für die Post

Die Post hat seit 13 Jahren das Briefporto nicht mehr erhöht. Jetzt denkt sie darüber nach. Doch das wäre der völlig falsche Schritt.

Jedes Unternehmen hat die Wirtschaftskrise zu spüren bekommen, und deshalb ist es verständlich, wenn Firmenmanager nun überlegen, wie sie wieder mehr Geld in die Kasse bekommen. Auch Frank Appel, Chef der Deutschen Post, macht sich Gedanken. Einer davon lautet: Man könnte ja das Porto für private Briefe erhöhen. Die Überlegung liegt nahe, schließlich hat die Post seit 13 Jahren das Briefporto nicht mehr erhöht. Trotzdem wäre das der völlig falsche Schritt.

Jahrelang war das Briefgeschäft der große Geldbringer der Deutschen Post. Doch diese Zeiten sind vorbei. Allein im vergangenen Jahr ist der Gewinn um 200 Millionen Euro geschrumpft.

Das aber hat nichts mit der Konjunkturkrise zu tun. Es handelt sich vielmehr um eine strukturelle Krise der Deutschen Post: die E-Mail-Krise. Zu wenige Kunden schreiben heute noch Briefe, weil es E-Mails gibt, und zwar kostenlos. Oder auch Telefon-Flatrates.

Die Menschen haben in den vergangenen Jahren ihre Gewohnheiten bei Korrespondenzen geändert. Sie haben erkannt, dass eine Mitteilung per Internet weniger aufwendig ist, den Adressaten schneller erreicht - und zu alledem auch noch billiger ist. Wie Appel auf die Idee kommt, er könnte die Kunden zurückgewinnen, indem er seine Briefpost auch noch teurer macht, bleibt sein Geheimnis.

Weil sich der Rückgang im privaten Briefgeschäft nicht mit der Wirtschaftsflaute erklären lässt, bedeutet das umgekehrt: Auch wenn die Konjunktur wieder anzieht, wird dieses Geschäft flau bleiben. Appel macht sich darüber keine Illusionen, und deshalb ist es richtig, dass er über eine Lösung nachdenkt. Die aber, die er gefunden zu haben glaubt, ist keine.

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Quelle:
SZ vom 28.06.2010/segi
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