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Erhebung des Krankenkassen-Verbands:Zahlreiche Klinik-Abrechnungen fehlerhaft

Milliardenschwerer Streit zwischen Krankenkassen und Ärzten: Der Spitzenverband der Kassen hat Krankenhaus-Rechnungen prüfen lassen - mit ernüchterndem Ergebnis.

Etwa jede zweite von den Kassen geprüfte Krankenhaus-Abrechnung ist aus Sicht der Kassen falsch. Der dadurch entstandene Gesamtschaden belaufe sich auf hochgerechnet etwa 2,3 Milliarden Euro, sagte Florian Lanz, Sprecher des Spitzenverbandes der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Er bestätigte damit einen Bericht der Frankfurter Rundschau.

2012 waren demnach knapp 53 Prozent aller überprüften Klinik-Rechnungen fehlerhaft. Behandlungen wurden zu hoch abgerechnet oder aber Leistungen aufgelistet, die laut GKV gar nicht erbracht wurden. Auch für das erste Halbjahr 2013 ermittelte der Kassen-Verband einen ähnlich hohen Anteil von Falschabrechnungen. Würden die etwa 2000 Kliniken richtig abrechnen, könnte der Beitragssatz in der Krankenversicherung, der derzeit bei 15,5 Prozent liegt, der Frankfurter Rundschau zufolge um 0,2 Punkte sinken. Nach Angaben des Kassen-Spitzenverbandes entsprechen Ausgaben von 1,2 Milliarden Euro etwa einem Beitragspunkt.

Die Krankenhausbetreiber weisen den Vorwurf der Falschabrechung zurück. Mehr als 95 Prozent der Klinikrechnungen blieben unbeanstandet - und dies bei etwa 18,6 Millionen Behandlungsfällen pro Jahr, sagte Georg Baum, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krankenhaus-Gesellschaft am Dienstag. Seriös und sozial verantwortliche Klinken würden von den Krankenkassen in unzulässiger Weise diskreditiert, kritisierte er.

Die Krankenkassen sind gesetzlich dazu verpflichtet, mit Hilfe des Medizinischen Dienstes der Kassen (MDK) die Klinik-Abrechnungen zu überprüfen. Über die Ergebnisse dieser Überprüfungen gibt es seit Jahren Streit. Die Krankenhäuser argumentieren, dass die Kontrollen fachlich nicht immer richtig seien. Arzt und Kasse sähen viele Fälle aus medizinischer Sicht sehr unterschiedlich.

In einem ersten Schritt werden die Abrechnungen auf Auffälligkeiten hin durchgesehen. Dies kann zum Beispiel ein zu langer Aufenthalt im Krankenhaus bei einer leichten Erkrankung sein. In einem zweiten Schritt werden dann bundesweit bis zu zwölf Prozent aller Abrechnungen genau geprüft.

Der Gesamtschaden von über zwei Milliarden Euro beruht demnach auf einer Hochrechnung der Kassen. Insgesamt geben die Kassen mehr als 66 Milliarden Euro für Krankenhausleistungen aus. Ergibt die Prüfung, dass eine Abrechnung tatsächlich fehlerhaft war, muss die Klinik den zu viel erhaltenen Betrag zurückzahlen. Die Kassen ihrerseits müssen dem Krankenhaus eine Aufwandspauschale in Höhe von 300 Euro zahlen, wenn sich eine geprüfte Rechnung letztlich als korrekt erweist. Die Krankenkassen fordern daher seit langem zusätzliche Sanktionen für die Kliniken bei fehlerhaften Abrechnungen.

Der Gesetzgeber hatte der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) und dem GKV-Spitzenverband aufgetragen, sich auf ein klares Verfahren für die Abrechnungsprüfungen zu verständigen. Die Verhandlungen sind laut GKV-Verband allerdings gescheitert. Nun soll eine Schiedsstelle nach Lösungen suchen.

© SZ.de/AFP/dpa/fran/luk
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