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Erfolgsfaktor "Agenda 2010":Die Bosse loben ihren Genossen

Die SPD fahndet nach ihren früheren Wählern, die sie durch die "Agenda 2010" verprellt hat. Altkanzler Schröder darf sich derweil von alten Kritikern für seine Reformen feiern lassen.

Noch am Vortag hatte sich Gerhard Schröder via Bild-Zeitung damit gebrüstet, dass erst die Wirtschaftspolitik unter seiner Bundesregierung und die umstrittene Agenda 2010 den jetzigen Aufschwung ermöglicht hätten, da bekommt der SPD-Altkanzler Beistand von ungewohnter Stelle. Denn das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW) gab dem früheren Partei- und Jusochef recht. "Die Strukturreformen von Schröder haben den Arbeitsmarkt flexibler gemacht und das Wachstumspotential erhöht", sagte IW-Chef Michael Hüther der Rheinischen Post.

Gerhard Schröder wird 65

Der frühere SPD-Bundeskanzler Gerhard Schröder verteidigt in Bonn die "Agenda 2010" vor den Mitgliedern der eigenen Partei (Archivbild aus dem Jahr 2003). Das Reformwerk bedeutete für die Sozialdemokraten eine Zerreißprobe und trug zum Aufstieg der damaligen PDS und heutigen Linkspartei bei. Nun darf sich Schröder vom marktliberalen Institut der Deutschen Wirtschaft feiern lassen.

(Foto: dpa)

So viel Lob auf einmal für einen Genossen war dem marktliberalen Forscher dann aber wohl doch unheimlich, und so schränkte er seine Anerkennung sogleich ein: Der Erfolg habe viele Väter. Auch die Krisenpolitik von Schwarz-Rot habe einen schnellen Wiedergewinn von Vertrauen ermöglicht. Und: Vor allem habe die Vernunft der Unternehmen und Arbeitnehmer die Wettbewerbsfähigkeit gestärkt.

Auch ein alter politischer Widersacher hatte Schröder zu Beginn der Woche Respekt gezollt: Der frühere Wirtschaftsminister Michael Glos bezeichnete die Agenda 2010 in einem Gastbeitrag in der Bild-Zeitung als "mutigen Schritt". Die Familie Glos ist selbst unternehmerisch tätig. Der Familienbetrieb Stolzmühle in Unterfranken wird von seinem Sohn geführt.

Laut Hüther produziert die deutsche Wirtschaft noch immer nicht so viel wie vor der Finanzkrise. "Wir sind derzeit bei 80 Prozent des Vorkriseniveaus. Im Laufe 2001 werden wir wieder bei 100 Prozent sein", sagte der IW-Präsident.