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Erfolgreiche Unternehmer:Der Osten lebt

In Halle haben sie aufgebaut, was sich neudeutsch "Cluster" nennt: Firmen und Institute einer Branche und einer Region schließen sich zusammen, um gemeinsam schneller voranzukommen. Das gemeinsame Ziel im "Solar-Valley" rund um Halle: Bis 2015 wollen sie die Preise für den Sonnenstrom so weit senken, dass er mit dem herkömmlichen ganz ohne Subventionen konkurrieren kann.

Gelingt das, winkt den knapp 30 beteiligten Firmen ein Riesengeschäft. "Dann geht die Branche in Richtung 100.000 Arbeitsplätze", sagt PVA-Tepla-Mann Thiel. Es sind die "Leuchttürme", von denen in der Vergangenheit so viele sprachen, ohne sie wirklich zu sehen. "Die Strategie, die Stärken zu stärken, geht jetzt auf", sagt der Ost-Beauftragte der Bundesregierung, Wolfgang Tiefensee (SPD). "Und die Schere schließt sich." Zumindest dort, wo die Industrien auch für den Export produzieren. An vielen anderen Orten, jenseits der Leuchttürme, bleiben die Fortschritte eher mau. Alles hängt jetzt von der Strahlkraft der Vorzeigeprojekte ab.

Gehälter locken westwärts

Vor allem Hochtechnologien sollen die Basis für neue Industrien legen. Derzeit buhlen drei ostdeutsche Regionen um zusätzliche Mittel aus einem Wettbewerb der "Spitzencluster", und die Chancen stehen nicht schlecht. Aus insgesamt zwölf deutschen Regionen soll eine Jury fünf auswählen, sie dürfen einen Topf von 200 Millionen Euro Fördergeldern unter sich aufteilen. Neben dem Solar-Valley und der optischen Industrie in Jena haben auch die Chipfirmen in Dresden schon ein Auge darauf geworfen. Sie werben mit sparsamen Bauteilen, unter anderem wollen sie den Stromverbrauch von Computern halbieren.

Gebrauchen können das Geld alle, denn ohne öffentliche Unterstützung kommt keines der Netzwerke aus. Nur geht es bei den Firmen-Kooperationen weniger um direkte Förderung, als um die Vernetzung von Wissenschaft und Wirtschaft - also auch die Ausstattung der beteiligten Forschungsinstitute und Hochschulen. Das soll nicht nur den Fortschritt beschleunigen - es könnte auch ein Problem lösen, das für Ostdeutschland bislang eher untypisch ist: Fachkräftemangel.

Waren die neuen Länder ursprünglich mit qualifiziertem Personal gesegnet, wird es nun zusehends rar. Die Technische Universität Chemnitz bietet mittlerweile englischsprachige Ingenieurs-Studiengänge an. Von den ausländischen Studenten, so die Hoffnung, werden einige in der Region bleiben. An der Uni Jena haben sie vergangenen Dienstag die Abbe School of Photonics gegründet, denn schon jetzt ist klar: Bis übernächstes Jahr brauchen die Firmen in Jena 3000 neue Leute - mindestens.

© SZ vom 19.07.2008/tob
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