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Türkei:Erdoğan attackiert Notenbank

Turkish President Erdogan addresses his supporters during a ceremony in Istanbul

Der türkische Staatschef Erdoğan am Donnerstag in Istanbul.

(Foto: REUTERS)
  • Der türkische Präsident Erdoğan hat die Notenbank seines Landes aufgefordert, die Zinsen zu senken - ein erneuter Angriff auf die Unabhängigkeit der Behörde.
  • Erdoğan bekräftigte auch seine ungewöhnliche Theorie, wonach die hohe Inflation in seinem Land zurückgehen werde, sobald die Zinsen sinken.
  • Erdoğan erhofft sich - wie US-Präsident Trump - durch niedrigere Zinsen einen zusätzlichen Schub für die Konjunktur und will damit auch bei den Wählern punkten.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan hat die Notenbank seines Landes erneut verbal attackiert und sie aufgefordert, die Zinsen zu senken. Er nahm dabei auch Bezug auf die jüngsten Andeutungen der US-Notenbank Fed. Während die Fed mögliche Zinssenkungen andeutet, "ist der Leitzins in meinem Land bei 24 Prozent", sagte Erdoğan vor ausländischen Journalisten in Istanbul. "Das ist inakzeptabel." Man werde "in kurzer Zeit eine endgültige Lösung dafür präsentieren". Die Türkei müsse "ihre bisherige Zinspolitik sehr vorsichtig zurückdrehen", sagte der türkische Staatschef.

An den Finanzmärkten dürften die Äußerungen Erdoğans mit Sorge aufgenommen werden. Die Unabhängigkeit von der Politik gilt als maßgeblich für die Arbeit von Notenbanken. Die Lira gab am Donnerstag einen Teil der Gewinne zum Dollar wieder ab, die US-Währung kostete 5,7675 Lira, nachdem sie zeitweise auf bis zu 5,7220 Lira gefallen war.

Gemeinsamkeiten mit Trump

Die türkische Lira hat im vergangen Jahr gegenüber dem Dollar um acht Prozent an Wert verloren, die Inflation ist extrem hoch. Sie ging im Mai zwar zurück, lag aber noch immer bei 18,7 Prozent. Die Einflussnahme der Politik auf die Notenbank spielt dabei eine Rolle, ebenso wie die angespannten Beziehungen zu den USA. Erdoğan äußerte erneut seine ungewöhnliche Theorie, wonach die hohe Inflation in seinem Land zurückgehen werde, sobald die Zinsen sinken. Eigentlich gilt das Gegenteil als Normalfall. Wenn Banken sich zu niedrigeren Zinsen Geld leihen und weiter vergeben können, beschleunigt dies in der Regel die Inflation.

Erdoğan betonte am Donnerstag, dass er in der Geldpolitik eine ähnliche Position vertritt wie US-Präsident Trump. "Trump hat die Fed kritisiert und gesagt, sie beschädige die Wirtschaft. Ich sage etwas ähnliches", sagte Erdoğan. Die hohen Zinsen "schaden uns". Leute aus seinem engsten Umfeld seien zwar anderer Meinung, sagte Erdoğan. Doch er glaube, man werde dieses Problem durch Gespräche lösen.

Erdoğan erhofft sich - wie US-Präsident Trump - durch niedrigere Zinsen einen zusätzlichen Schub für die Konjunktur und will damit auch bei den Wählern punkten. Am Sonntag wird in der Millionenstadt Istanbul erneut gewählt. Die vorherige Abstimmung, bei der Erdoğans Partei AKP herbe Verluste einstecken musste, war auf Druck des türkischen Präsidenten anulliert worden.

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