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Erdbeben in Nepal:Bis der Buchladen wieder steht

(Foto: privat)

Nach wenigen Sekunden war der Laden von Amrit Lal Dangal ein Haufen Schutt. Nun baut der Nepalese ihn wieder auf. Schritt für Schritt. Auf die Hilfe der Politik wartet er erst gar nicht.

Es geht ganz langsam. Stein für Stein. Aber Amrit Lal Dangal lässt sich nicht beirren. Hier in dieser Lücke zwischen den anderen Ruinen soll wieder ein Haus stehen. Sein Haus. Deshalb baut er. Und mag es noch so viel Kraft kosten.

Vor dem Erdbeben in Nepal hatte er hier seinen Laden eingerichtet. Das einzige Buchgeschäft weit und breit. "So was braucht man doch im Dorf, schon wegen der Kinder. Damit sie was zu lesen haben", sagt der 40-Jährige. Die Erdstöße am 25. April haben sein Einkommen zunichte gemacht. Das ging ganz schnell, ein paar Sekunden reichten, und der Laden war nur noch ein Haufen Schutt.

Seither muss Dangal nicht nur ein teures Zimmer mieten, sondern all seine Ersparnisse einsetzen, um Baustoffe zu kaufen und Nachbarn zu bezahlen, die ihm helfen. Er lebt in Sankhu, östlich von Kathmandu. Das nötige Geld hat er noch nicht ganz. Wie er das Loch füllen will? "Das wird sich finden", sagt er. Das Beben hat dem Buchhändler vieles geraubt, aber nicht die Zuversicht. Außerdem sagt er, er sei sehr dankbar. Wie meint er das? Dankbar? "Der Familie vorne an der Ecke ist es noch schlechter ergangen als mir", sagt Dangal. "Dort sind vier Menschen gestorben."

Mit der Hilfe seiner Regierung hat der Nepalese nie gerechnet. Man könne sich auf diese Leute nicht verlassen, sagt er. Verlassen kann er sich nur auf sich selbst und seine Nachbarn, die so vieles hier ganz alleine richten. Weil der Staat monatelang die internationalen Hilfsmilliarden gar nicht angezapft hat. Weil die Parteien um Geld, Macht und Einfluss gestritten haben. Dangal kann nicht warten, bis die Politiker in Kathmandu das unter sich ausgemacht haben. Zumal der Staat noch mit einer Blockade an der Grenze zu Indien zu kämpfen hatte, wo unzufriedene Volksgruppen einen Aufstand organisieren. Das macht die Erdbebenhilfe mühsamer. Manchmal scheint es, als hätten die Politiker die obdachlosen Menschen in den Bergen schon vergessen. Aber Dangal klagt nicht, er macht weiter. Stein für Stein. Bis sein Buchladen wieder steht.