Süddeutsche Zeitung

Erbschaftsteuer:Reiche Erben sollten mit 99 Prozent besteuert werden

Du willst einen Bugatti oder eine Villa? Dann arbeite! Eine hohe Erbschaftssteuer ist richtig und wichtig, zeigt das Beispiel Zuckerberg.

Deutsche Finanzpolitiker sollten sich mit Mark Zuckerberg verabreden, wenn der mal wieder zum Joggen nach Berlin kommt. Denn der Facebook-Chef hat versprochen, 99 Prozent seines Vermögens zu spenden, anstatt es zu vererben.

Er und seine Frau Priscilla Chan haben diese Woche bekannt gegeben, in den kommenden zehn Jahren drei Milliarden Dollar davon für den Kampf gegen Krankheiten zu spenden. Interessant ist die Höhe, auf die Zuckerberg sich festgelegt hat: 99 Prozent. Nicht 98, nicht 100 - die 99 ist aus ökonomischer Sicht der ideale Wert und deswegen eine Inspiration dafür, wie die Erbschaftsteuer in Deutschland für sehr große Erbschaften aussehen könnte.

99 Prozent klingen natürlich krass. Bisher zahlen Erben zwischen sieben und fünfzig Prozent. Kluge Erben zahlen, wenn sie ihr Unternehmen fortführen und alle Jobs über mehrere Jahre hinweg erhalten, sogar manchmal nur null Prozent, auch wenn die nun von Bund und Ländern beschlossenen Reformen das etwas schwieriger machen.

99 Prozent Steuer auf sehr hohe Erbschaften - danach bleibt immer noch viel Geld übrig

Erbe ist Geld, das für den Erben vom Himmel fällt. Es wird nicht von ihm selbst erarbeitet, sondern fließt ihm wegen des Glücks der Geburt zu - und manchmal ist dieses Glück eben sehr groß. Deswegen sollten Erbschaften ab einer gewissen Höhe auch stark besteuert werden - und zwar umso stärker, je größer das Vermögen ist.

Viele streben danach, immer mehr zu haben. Dieser Drang kann der Wirtschaft und den Menschen nützen. Deswegen sollte die Erbschaftsteuer für große Vermögen nicht bei 100 Prozent liegen, wie es der Ökonom Guy Kirsch fordert. Sondern eben bei 99 Prozent. Wer alles konfisziert, würgt die Motivation komplett ab. Bleibt ein Rest, gibt es noch einen finanziellen Anreiz, neue Werte zu schaffen, neue Dinge wie Facebook zu erfinden und den Gewinn daraus an die Nachkommen zu vererben.

Der Grenznutzen des Geldes nimmt ab, je mehr man davon hat

Der Anreiz mag bei einem Überbleibsel von einem Prozent klein erscheinen. Aber bei einem Milliardenerbe bliebe immer noch sehr viel übrig. Eine so hohe Steuer für Superreiche wäre nicht unmenschlich, zeigt der Fall Zuckerberg: 57 Milliarden Dollar besitzt er laut der Finanzagentur Bloomberg.

Um seine Tochter muss man sich also auch bei einem Minus von 99 Prozent keine Sorgen machen - es ist immer noch genug Geld da, damit sie gut leben kann. Volkswirte formulieren es, ganz ohne Sozialneid, so: Der Grenznutzen des Geldes nimmt ab, je mehr man davon hat.

Bei Firmeneigentümern kommt natürlich die Befürchtung dazu, was aus dem Unternehmen wird. Viele wünschen sich, der Erfolg solle in der Familie bleiben. Das ist persönlich nachvollziehbar. Aber die ökonomische Forschung rät davon ab.

Studien zeigen immer wieder, dass die Nachkommen den Betrieb oft schlechter führen. Es ist eben nicht garantiert, dass der beste Manager für die Firma zufällig das eigene Kind ist. Einer Untersuchung zufolge steigt besonders beim ältesten Sohn das Risiko, den Laden an die Wand zu fahren.

Eine hohe Erbschaftsteuer ist urkapitalistisch. Wer in einer Gesellschaft leben möchte, in der der Mensch, seine Fähigkeiten und damit seine Leistung im Vordergrund stehen, muss den Nachkommen das Geld wegnehmen.

Und wer nicht auf Zuckerberg hören will, kann sich auch an einer anderen amerikanischen Ikone orientieren. Britney Spears hat einmal die Leistungsgesellschaft in einem Lied schön definiert. "Du willst einen Bugatti? Du willst einen Maserati? Eine große Villa besitzen?", sang sie. Die Antwort: "You better work, bitch." Dafür muss man eben arbeiten.

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SZ vom 24.09.2016/bbr
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