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Nachhaltigkeit bei Epson:"Ich glaube, die Menschen wollen diese Probleme lösen"

Yasunori Ogawa will den Epson-Konzern neu ausrichten.

(Foto: Epson/oh)

Der japanische Epson-Konzern hat sich mehr Umweltverträglichkeit und soziale Verantwortung zum Ziel gesetzt. Das könnte letztlich auch gut sein fürs Geschäft, glaubt Chef Yasunori Ogawa.

Von Helmut Martin-Jung

CO2-Abgabe hin, Benzinpreis her - während sich die Politik noch streitet, sind die Gerichte schon weiter. In den Niederlanden wurde der Shell-Konzern zu umweltgerechterem Verhalten verurteilt. In Deutschland entschied das Verfassungsgericht, dass man die Last der nötigen Einsparungen nicht einfach auf kommende Generationen verschieben kann. Aber auch eine ganze Reihe von Unternehmen hat sich dazu entschieden, nicht darauf zu warten, bis strengere Vorschriften sie zum Handeln zwingen. Sie haben sich selbst öffentlich Ziele gesetzt, etwa mit konkreten Daten, zu denen sie CO2-neutral produzieren wollen.

Dazu gehört auch der japanische Epson-Konzern, einer der großen Hersteller von Druckern, Scannern und Projektoren, aber auch von Robotern. Knapp 90 000 Mitarbeiter beschäftigt der Konzern weltweit, der seit April 2020 amtierende Chef Yasunori Ogawa hat eine neue Strategie ausgerufen. "Bis jetzt waren wir ein Unternehmen, das sehr von der technischen Entwicklung getrieben war", sagt er im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung. "Als ich Präsident wurde, dachte ich darüber nach, was eigentlich Epsons Aufgabe ist, warum wir tun, was wir tun."

Das Ergebnis: "Ich habe als unser Ziel ausgegeben, Nachhaltigkeit zu erreichen und nützlich für die Gesellschaft zu sein. Ich habe gesehen, dass es auf der Welt viele Probleme gibt, bei der Umwelt, bei sozialen Fragen." Er habe deshalb entschieden, "dass wir die Technologien, die wir haben, darauf richten, unser Ziel zu erreichen und diese Probleme zu lösen". Bis zum Jahr 2050 will das Unternehmen keine nicht-erneuerbaren Rohstoffe, zum Beispiel Öl oder Metalle mehr verbrauchen, bis 2030 soll Epson klimaneutral arbeiten, bis 2050 sogar eine negative CO2-Bilanz haben.

Aber gefährdet eine solche Strategie, wenn sie wirklich konsequent verfolgt wird, nicht den Geschäftserfolg? "Nein, ich habe überhaupt keine Angst. Wir haben eine gesellschaftliche Aufgabe", sagt Ogawa. "Ich glaube, die Menschen wollen diese Probleme lösen. Jeder ist besorgt um die Umwelt und jeder will, dass das besser wird. Es liegt ein Wert darin, diese Ziele zu erreichen, und die Menschen werden Geld dafür bezahlen."

Viele der Technologien, die sein Konzern entwickle, seien gut für die Umwelt, sagt der Epson-Chef: "Zum Beispiel unsere Drucker: Die dort eingesetzte Tintentechnologie kommt ohne Hitze aus, verursacht weniger Abfall, und es gibt weniger Verschleißteile. Das verlangen die Menschen heute." Aber tun sie das wirklich? Ist am Ende nicht doch der Preis ausschlaggebend?

Epson war der erste der großen Hersteller, die Drucker mit einfach nachfüllbaren Tintentanks auf den Markt brachte. Die Geräte selbst sind viel teurer als vergleichbare Konkurrenzmodelle. Dafür ist die Tinte viel günstiger und kann von den Nutzern leicht selbst nachgefüllt werden. Ganz leicht scheint es aber nicht zu sein, die Käufer davon zu überzeugen, bei genauen Zahlen hält sich Ogawa zurück. Er sagt nur: "Wir haben viel Energie in unsere Drucker mit nachfüllbarem Tintentank gesteckt. Wir haben damit in den Entwicklungsländern begonnen, und es war ein großer Erfolg. Und jetzt sehen wir auch große Erfolge in den Industrieländern. Das Wachstum beträgt etwa zehn Prozent pro Jahr."

Epson soll eine neue Firmenkultur bekommen

Dennoch ist Ogawa nicht bange: "Wenn wir unsere umweltfreundlichen Technologien einsetzen, wird das unsere Wettbewerbsfähigkeit steigern", glaubt er, und: "Damit, glaube ich, können wir einen fairen und vernünftigen Gewinn erzielen." Er habe also keine Angst, und "wir werden weitermachen und uns auf diese Ziele konzentrieren." Zum Teil hat das auch mit Pandemie zu tun. "Auf der ganzen Welt veränderten sich Denkweisen wegen der Pandemie. Eine davon ist die gestiegene Sorge um die Umwelt."

In seiner Firma will Ogawa auch wegkommen von einer Firmenkultur, bei der alles von der Chefetage diktiert wird - so wie es in Asien traditionell der Fall war und oft noch ist. "Ich glaube, eine Firmenkultur, in der jeder Angestellte frei seine Meinung sagen kann, ist ein Weg, das Potenzial einer Firma zu erhöhen", sagt Ogawa. "Wenn alles von oben herab entschieden wird, ist es schlecht für die Firmenkultur, deshalb möchte ich zu einem Ansatz kommen, der mehr von unten nach oben geht."

© SZ
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