Eon Schatten auf der Zukunft

Grüner Strom boomt - und die Gewinne von Eon durch Atom-, Gas- und Kohlekraftwerke sinken. Das stellt den Konzern vor eine Herausforderung: Denn seine Ausgründung soll genau damit Geld verdienen. Und es gibt weitere Probleme.

Von Markus Balser, Berlin

Die Energiewende sorgt bei Deutschlands größtem Versorger Eon erneut für einen Einbruch in wichtigen Geschäftsfeldern. Wegen des Booms bei grünem Strom schrumpfte das Ergebnis der Atom-, Kohle- und Gaskraftwerke des Düsseldorfer Konzerns um fast ein Drittel. Die Zahlen spiegelten die "weiter schwierige Situation der konventionellen Kraftwerke wider", erklärte Eon-Chef Johannes Teyssen bei Bekanntgabe der Halbjahreszahlen und forderte erneut Hilfen von der Politik.

Ökostrom wächst in Deutschland rasant, darauf will sich auch Eon künftig konzentrieren. Damit verbundenen sind Überkapazitäten bei großen fossilen und nuklearen Kraftwerken, das hat die Strom-Großhandelspreise auf den tiefsten Stand seit Jahren purzeln lassen - schlecht für das konventionelle Geschäft. Das ist allerdings nicht das einzige Problem für Eon. Bei dem Düsseldorfer Konzern kamen im ersten Halbjahr zudem Einbußen im Russlandgeschäft wegen des schwachen Rubels hinzu. Der Gewinn schrumpfte hier um 40 Prozent. Auch die gefallen Preise im Öl- und Gasgeschäft lasteten auf der Bilanz. Insgesamt schrumpften die Gewinne aus dem laufenden Geschäft um 13 Prozent auf 4,3 Milliarden Euro.

Trotz aller Probleme treibt Eon den eigenen Umbau voran. Eon-Chef Teyssen will das Unternehmen Anfang 2016 in einen Konzern namens Uniper mit Atom-, Kohle- und Gaskraftwerken und knapp 20 000 Beschäftigten sowie ein grünes Ökostromunternehmen mit 40 000 Beschäftigen aufspalten. Bei Eon sind nach Konzernangaben bereits 350 Führungspositionen neu besetzt und rund 1300 Gesellschaften entweder Eon oder Uniper zugeordnet worden. Bis November sollen alle Mitarbeiter wissen, zu welchem Konzern sie künftig gehören. Der Börsengang von Uniper sei in der zweiten Jahreshälfte 2016 geplant, kündigte Teyssen an. Harte Kritik übte der Konzern an neuen Beschlüssen der Bundesregierung zum Umbau des Energiemarktes: "Das Energiepaket der Bundesregierung bringt zwar einige Fortschritte für die nächsten Jahre, aber ein verlässlicher Rahmen für die Zukunft der Energieversorgung und die Umsetzung der Energiewende ist es nicht." Teyssen forderte die Politik am Mittwoch erneut auf, die konventionellen Kraftwerke zu stützen, da sie für die Versorgungssicherheit unverzichtbar seien. Die Bundesregierung lehnt bislang neue Hilfen für notleidende Kraftwerke ab. Sie hält die von der Industrie geforderten Milliardenhilfen für unnötig und fürchtet immense Kosten für Stromkunden.

Eon kämpft also vor der eigenen Aufspaltung mit einem ernsten Problem. Weil das Stromangebot weiter wächst, und neue Kraftwerke überflüssig werden, dürfte die neue Gesellschaft Uniper vor einem schweren Start stehen, in die Eon eben das Kraftwerksgeschäft ausgründen wird.