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Eon-Chef Johannes Teyssen:Energiewende? Klar - wenn wir nichts zahlen müssen

Eon-Chef Johannes Teyssen gibt sich im Kampf gegen den neuen Atomkurs der Bundesregierung diplomatischer als sein RWE-Pendant Jürgen Großmann. Doch er pocht auf finanzielle Entschädigungen - und prüft eine Klage gegen eine kürzlich eingeführte Steuer.

Die Strategien der großen deutschen Energiekonzerne im Umgang mit der anvisierten Energiewende sind höchst unterschiedlich. Während RWE-Chef Jürgen Großmann mit einem eindeutigen Pro-Atom-Kurs und einer angekündigten Klage gegen die Stilllegung von Biblis A Zorn auf sich zieht, versucht es Eon-Boss Johannes Teyssen eher auf eine diplomatische Art.

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Eon-Chef Johannes Teyssen lässt eine Klage gegen die Brennelementesteuer prüfen.

(Foto: AFP)

Der Vorsitzende von Deutschlands größtem Energieversorger will sich die Energiewende bezahlen lassen. Konzernchef Johannes Teyssen sagte dem Energie Informationsdienst: "Ein vorgezogenes Abschalten (von Atomkraftwerken, Red.) geht nicht ohne Beseitigung aller im letzten Jahr eingeführten neuen Lasten und ohne faire Kompensation zusätzlicher Sonderlasten."

Der Manager wollte dies nicht als Drohung verstanden wissen, sondern als Ruf nach fairer Behandlung aller Akteure. Schließlich seien es die Ersparnisse von Millionen Sparern, Rentnern und Geldanlegern, die über Eon in die deutsche Energiepolitik investiert worden seien.

Teyssen warnte allerdings gleichzeitig vor übereilten Schritten in Sachen Atomausstieg. Die meisten derzeit diskutierten Jahreszahlen seien "einigermaßen wenig durchdacht" - sowohl mit Blick auf die Kosten als auch auf den Klimaschutz. Eon sei aber zum Diskurs über alle Alternativen bereit. Mit Fairness, Vernunft und Augenmaß könne ein schneller Umbau gelingen, betonte der Manager. Doch dürfe man den Konzern auch nicht überfordern. "Wer uns zwingt, Kraftwerke früher als in allen bis dahin diskutierten Szenarien abzuschalten, der darf die Kernenergie nicht auch noch zusätzlich belasten und gänzlich unwirtschaftlich machen."

Nach Angaben eines Unternehmenssprechers prüft on nach wie vor auch eine Klage gegen die Brennelementesteuer. Der Düsseldorfer Energieriese steht bei seiner Entscheidung bislang aber noch nicht unter Zeitdruck. Erst wenn das seit Ende März wegen Wartungsarbeiten vom Netz genommene Atomkraftwerk im bayerischen Grafenrheinfeld - voraussichtlich im Juni - mit neuen Brennelementen wieder angefahren wird, würde die neue Steuer fällig.

Nach Unternehmensangaben soll Eon in diesem Jahr knapp eine Milliarde Euro an Brennelementesteuer zahlen. Bei dem von der Bundesregierung verhängten Atommoratorium hatte Eon im Gegensatz zum Konkurrenten RWE auf eine Klage gegen die Abschaltung der sieben ältesten deutschen Reaktoren verzichtet.

© sueddeutsche.de/AP/aum

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