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Energiewende:Netzagentur warnt vor Stromengpässen

Damit die Energiewende gelingt, müssen viele neue Leitungen verlegt werden. Doch der notwendige Ausbau des Stromnetzes kommt nur langsam voran. Und das ist gefährlich - zuletzt musste wiederholt auf Reservekraftwerke zurückgegriffen werden.

Grün, sauber, atomfrei: So soll die deutsche Energiepolitik aussehen, seit vor etwa einem Jahr der endgültige Nuklear-Ausstieg beschlossen wurde. Doch damit der Strom weiter aus der Steckdose kommt, müssen die Transportwege massiv ausgebaut werden. Ohne Stromtrassen kommt vor allem die Windenergie nicht dort an, wo sie gebraucht wird.

Netzagentur warnt: Stromnetze am Rand der Belastbarkeit

Nötig: neue Netze.

(Foto: dpa)

Der notwendige Netzausbau kommt aber nur langsam voran. Die Bundesnetzagentur, die den Fortschritt überwacht, warnt deshalb vor Engpässen bei der Stromversorgung. "Es gibt keinen Anlass zur Entwarnung", sage Jochen Homann, der neue Präsident der Behörde.

Für die Energiewende sollen 1834 Kilometer neue Leitungen entstehen. Doch der Großteil steckt noch in der Planungsphase, erst 214 Kilometer sind gebaut. Aber davon sind bisher weniger als 100 Kilometer auch tatsächlich in Betrieb genommen worden, erklärte die Netzagentur. Denn solange nicht eine ganze Trasse steht, kann auch durch die schon fertigen Teile kein Strom fließen. Eine Deutschland-Karte der Agentur zeigt, dass oft ein Stück in einem Bundesland schon fertig ist, während die Leitung im Nachbarland noch in der Planungsphase steckt.

"Die Fahrpläne für neue Trassen mussten teilweise erneut um ein oder gar zwei Jahre nach hinten korrigiert werden", sagte Homann. "Für die Energiewende ist dies eine besorgniserregende Nachricht."

Die Bundesnetzagentur veröffentlicht ab sofort den aktuellen Stand des Netzausbaus auf ihrer Website. In der kommenden Woche will die Agentur außerdem einen ausführlichen Bericht zur Netzsituation und zur Lage auf den Strom- und Gasmärkten im vergangenen Winter vorstellen.

Präsident Homann nahm die zentrale Bilanz vorweg: Zwischen Dezember 2011 und März 2012 sei allein dreimal auf die sogenannte Kaltreserve zurückgegriffen worden. Dabei handelt es sich um ältere Kraftwerke, die seit der Abschaltung von acht der 17 deutschen Atomkraftwerke für Engpässe in Reserve gehalten werden. "Auch die Zahl der Eingriffe der Netzbetreiber in Netze und Erzeugung hat deutlich zugenommen", sagte Netzagenturchef Homann. Mit diesen Eingriffen, etwa dem Hochfahren eines Gaskraftwerks bei Strommangel oder dem Stilllegen von Windkrafträdern bei Überfluss, sollen Schwankungen ausgeglichen werden.