Energieverbrauch:Testfilm weicht stark vom Alltagsprogramm ab

Tatsächlich belegt die NRDC-Studie den Einsatz von Defeat Devices nicht zweifelsfrei. Trotzdem vermuten die US-Umweltschützer, dass die TV-Geräte den Testfilm aktiv erkennen. Ähnliche Vorwürfe hatte im vergangenen Jahr bereits die staatliche schwedische Energieagentur in einem Schreiben an die EU-Kommission erhoben (PDF). Prüfer der Agentur hätten Fernseher entdeckt, die offenkundig den offiziellen Testfilm erkannt hätten. Das sei "ein Weg, um die Marktüberwachungsbehörden zu umgehen und sollte von der EU-Kommission aufgegriffen werden", heißt es dort.

Schwierig sei das Erkennen des Test-Films nicht, schreiben die US-Umweltschützer. Der Streifen beinhalte für den Alltag ungewöhnlich viele und schnelle Bildschnitte. Auf diese reagierten die Geräte standardmäßig, indem sie die Hintergrundbeleuchtung des Bildschirms während der Schnitte kurz herunterdimmen oder sogar ganz abschalten. Diese Dimmer-Automatik bringe aber im Testverfahren mit den vielen Bildschnitten überdurchschnittlich hohe Einsparungen. Der Verbrauch eines LG-Modells sinke im normalen Betrieb bei Szenen mit schnellen Schnitten um 13 Prozent, bei dem Laborfilm hingegen um 58 Prozent.

In einem zweiten Schritt ließ das NRDC zudem insgesamt 21 TV-Modelle verschiedener Hersteller im Laden testen. Das Ergebnis: Viele der Geräte schalteten beispielsweise die Dimmer-Automatik einfach ab, sobald die Werkseinstellungen verändert wurden - ohne die Nutzer darüber zu informieren, dass sich der Verbrauch ihres Gerätes teils drastisch erhöht. Sobald also beispielsweise das meist recht dunkel eingestellte Bild heller oder kontrastreicher gemacht wurde, war es laut den Umweltschützern vorbei mit der Sparsamkeit. LG teilte mit, derzeit arbeite man an Software-Updates für aktuelle TV-Modelle, damit diese die Nutzer auf den möglichen Mehrverbrauch durch das Ändern der Einstellungen hinweisen.

Deutlich höhere Stromkosten

Bei dem NRDC-Test wurden ausschließlich in den USA erhältliche TV-Geräte untersucht. Für den europäischen Naturschutz-Dachverband EEB liegt aber der Verdacht nahe, dass dieselben Tricks auch in Europa angewendet würden. Samsung und LG verkauften aus denselben Produktlinien auch hierzulande Fernseher. Außerdem ähnelten sich die Messverfahren zur Ermittlung des Stromverbrauchs stark. In europäischen Labors werde derselbe standardisierte Zehn-Minuten-Film der IEC gezeigt. Aus diesem Grund hatten die europäischen Naturschützer vom EEB zuletzt auch ein eigenes Testprogramm für Hausgeräte angekündigt: Insgesamt 400 000 Euro will der Verband ausgeben, um die Verbrauchswerte von Fernsehern, Kühlschränken und anderen Geräten unter alltagsnahen Bedingungen ermitteln zu lassen. Die Ergebnisse sollen noch in diesem Jahr veröffentlicht werden.

Und es geht nicht nur um Fernseher. Auch bei Glühlampen und Kühlschränken stellt sich die Frage, wie viel die offiziellen Verbrauchswerte mit dem Alltag zu tun haben. Den Nachteil trügen bei Manipulationen die Verbraucher und die Natur, kritisieren die Umweltschützer: Ändert nur ein Drittel der amerikanischen Besitzer von Fernsehern aus dem Hause Samsung, LG und der in den USA verbreiteten Marke Vizio die Einstellungen der Geräte, könnte das Strom-Mehrkosten von umgerechnet knapp 1,1 Milliarden Dollar über eine Spanne von zehn Jahren verursachen, rechnet das NRDC vor. In Europa dürften die entsprechenden Zusatzkosten noch höher liegen. Hier leben mehr Menschen als in den Vereinigten Staaten - und der Strom ist teurer.

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