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Energieverbrauch:Umweltschützer werfen Fernseh-Herstellern Manipulation vor

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Fernseher sind den Angaben zufolge sparsamer geworden. US-Umweltschützer argumentieren allerdings, dass beim Stromverbrauch getrickst wird.

(Foto: Getty Images)
  • Eine US-Umweltschutzorganisation wirft TV-Herstellern vor, den Energieverbrauch ihrer Geräte zu manipulieren.
  • Messungen hätten gezeigt: Die Fernseher zeigten im Testverfahren einen sparsameren Stromverbrauch als im normalen Betrieb.
  • Die Hersteller LG und Samsung weisen die Vorwürfe entschieden zurück.

Zehn Minuten lang zuckt und flimmert der Film über den Bildschirm, schnelle Schnitte, das Bild wechselt von hell zu dunkel. Die Handlung ist Nebensache. Wenn das standardisierte Testvideo der International Electrotechnical Commission (IEC) läuft, geht es nur um eines: den Stromverbrauch. Und der ist offenbar immer genau dann besonders niedrig, wenn dieser Film läuft. Das legt zumindest eine Untersuchung der US-Umweltschutzorganisation NRDC nahe, die die Süddeutsche Zeitung vorab einsehen konnte.

Sobald die erste Minute des Testvideos läuft, so die Umweltschützer, verhalte sich der Fernseher plötzlich anders. "Wir haben ein unerklärlich starkes und dauerhaftes Abfallen im Energieverbrauch bei Geräten verschiedener Hersteller beobachtet", schreibt die Organisation.

Umgekehrt hieße das: Die getesteten aktuellen Fernsehgeräte verbrauchen im heimischen Wohnzimmer deutlich mehr Strom als im Labor gemessen - und damit auch mehr als im Geschäft versprochen. Im Auftrag der NRDC wurden insgesamt sieben Modelle untersucht. Sie kommen von den Herstellern Samsung und LG sowie von der nur in den USA vertriebenen Marke Vizio. Samsung und LG sind weltweit und auf dem europäischen Markt die beiden mit Abstand größten Hersteller.

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Die Vorwürfe der Umweltschützer erinnern an die Abgasmanipulationen bei Volkswagen. Der Verdacht: Die Fernseher erkennen die Prüfsituation im Labor und laufen dort in einem unter diesen Bedingungen besonders sparsamen Modus. Das hieße, es könnte sich um eine eingebaute Betrugssoftware handeln, um ein sogenanntes Defeat Device. Solche Geräte hatte Volkswagen in Diesel-Modellen verbaut.

Hersteller weisen Vorwürfe zurück

Der TV-Hersteller Samsung betont dagegen, dass sich das Energielabel für die Geräte lediglich auf die Werkseinstellungen beziehe. Das Unternehmen hält dies nicht für problematisch: "Die Mehrheit der Kunden bleibt während der Lebenszeit des Fernsehers bei den Werkseinstellungen", schreibt Samsung in einer Stellungnahme. Mit weiteren Einstellungsmöglichkeiten wolle man auf die Bedürfnisse der Nutzer eingehen. Den Vorwurf der Umweltschützer, das Unternehmen täusche seine Kunden, weist Samsung entschieden zurück. "Unsere Fernseher sind vereinbar mit den Richtlinien und Vorgaben der US-Behörden." Ob dies auch für Europa gelte, wollte das Unternehmen auf Anfrage zunächst nicht beantworten .

Auch LG bestreitet die Vorwürfe der Umweltschützer. Man halte sich an die entsprechenden Vorgaben. Auch dementiert das Unternehmen den Vorwurf, nach einem "Schlupfloch" im Testverfahren zu suchen. Auch LG bezieht sich in seiner Stellungnahme lediglich auf die Vorwürfe in den USA. Die Prüfung der Umweltschützer bezog sich auf die Testmethoden des US-Energieministeriums für neue TV-Geräte.