Energiesparen Einsparpotenzial der Haushalte am größten

Die Industrie ist ein Energiefresser. Lohnt sich da Stromsparen zu Hause überhaupt?

(Foto: dpa)

Während also die Industrie auf der Jagd nach kurzfristigen Gewinnen nicht nur ihre Einsparmöglichkeiten nicht nutzt, sondern sich auch noch die Befreiung von der EEG-Umlage vom Verbraucher bezahlen lässt, werden letztere gemaßregelt, mit Energiesparlampen, Verordnungen, Energieausweisen für Gebäude oder den jüngsten EU-Regeln gegen stromfressende Staubsauger. Zumindest stellt es sich für viele Bürger so dar.

Die Glühbirne gerät da zur leuchtenden Verkörperung persönlicher Freiheit. Dabei gerät in Vergessenheit, dass die heißgeliebte Lampe auch deswegen so heiß wird, weil sie 97 Prozent der Energie, die sie verbraucht, nicht in Licht verwandelt, sondern als Abwärme verschwendet. Der Widerstand gegen Energiesparlampen, die nicht nur ökologisch sinnvoll sind, sondern auch Stromkosten sparen, ist symptomatisch für das Phlegma, das eben auch private Haushalte in Sachen Energiesparen prägt.

Süddeutsche.de und Le Monde sind Medienpartner von Arte für das Doku-Game "Fort McMoney". Wer mitspielt, bestimmt mit: Er übernimmt die Rolle der Einwohner von Fort McMurray in Kanada, ihren Zwiespalt zwischen Wirtschaftsboom einerseits, sozialen und ökologischen Problemen andererseits. Das Spiel wird von der kanadischen Medienförderung CMF/FMC mitfinanziert, vom kanadischen Filmboard ONF/NFB und der Firma Toxa produziert. Hier geht es zum Spiel.

Denn am Gesamtenergieverbrauch haben die Privathaushalte einen in etwa so großen Anteil wie die Industrie. Er ist etwa doppelt so hoch wie der Anteil von Gewerbe, Handel und Dienstleistung - eine Größenordnung, die dem "kleinen Mann" kaum bewusst ist, wenn er sich fragt, was die eigenen, alltäglichen Sparanstrengungen denn überhaupt bringen sollen. Aber auch hier liegen große Chancen - etwa beim Heizen:

  • Drei Viertel der Energie wird für das Heizen verbraucht - der Anteil ist auch deswegen so hoch, weil hier der Nachholbedarf wegen veralteter Anlagen und schlechter Dämmung am größten ist.
  • Öko-Institut und Fraunhofer-Institut schätzen in einer gemeinsamen Studie, dass 60 Prozent eingespart werden könnten, würden ältere Häuser auf den Standard gebracht, dem Neubauten unterliegen.
  • Weil Anlagen im Schnitt 24 Jahre alt sind, bräuchte es nur neue Heizkessel, um die eingesetzte Energie um ein Drittel besser zu nutzen.
  • Energieexpertin Agricola schätzt die Einsparmöglichkeiten sogar auf 90 Prozent. Dafür muss aber modernste Technik zum Einsatz kommen und die Renovierungsrate von Gebäuden, die derzeit bei nur einem Prozent pro Jahr liegt, verdoppelt werden.

Mit simplen Maßnahmen Geld und Strom sparen

Und der Strom, der immer teurer wird? Die Privathaushalte sind für ein Viertel des Verbrauchs verantwortlich. Obwohl der Preis für sie um 60 Prozent gestiegen ist, verbrauchen die Deutschen fast ein Fünftel mehr Strom als noch 1990. Sie nutzen im Schnitt immer mehr und immer größere Elektrogeräte, und das in immer mehr Ein-Personen-Haushalten.

Dem Öko-Institut zufolge braucht ein durchschnittlicher Zwei-Personen-Haushalt etwa 3440 Kilowattstunden pro Jahr. "In den meisten Fällen kann man mit sehr günstigen Maßnahmen ein Drittel davon einsparen", sagt Schleicher: etwa mit Energiesparlampen - oder noch besser: LED-Lampen; weniger Standby-Verlusten dank geeigneter Steckerleisten; oder mit Wasserkochern (die bisher nur jeder zweite Haushalt nutzt). Wenn dann noch neue, energiesparende Geräte angeschafft würden, kann das noch einmal ein Drittel ausmachen.

  • Vom Kühlschrank bis zum Geschirrspüler verbrauchen Elektrogeräte heute 60 Prozent weniger Strom als noch vor zehn Jahren.
  • Die Energie-Agentur schätzt, dass sich der Stromverbrauch insgesamt ohne größere Einschnitte um etwa ein Viertel reduzieren ließe.
  • Insgesamt müssten bei den Privathaushalten der Studie zur Energieeffizienz für die Nationale Klimaschutzinitiative des Umweltministeriums zufolge 120 Milliarden investiert werden.

Aber auch diese Investitionen würden sich langfristig rechnen. "Bei einem neuen Kühlschrank bekommt man dieselbe Dienstleistung für deutlich weniger Strom", sagt Schleicher. Das zahle sich ökonomisch meist rasch aus, auch wenn man zunächst mehr Geld in das neue Gerät investieren müsse.

Die Verbraucher müssen nicht verzichten, um weniger zu verbrauchen. "Es reicht nicht, immer nur von anderen, wie etwa von der Industrie oder dem Gewerbe Einsparungen zu fordern. Es ist auch wichtig, seinen eigenen Beitrag zu leisten", sagt Schleicher.

Weitere Tipps zum Thema Strom sparen im Haushalt finden Sie in unserem Ratgeber.