Energiekostenvergleich:Mehr Preis-Transparenz an der Tankstelle

E-Ladesäule

Aufladen an der Steckdose: Ob Elektroautos günstiger sind als klassische Verbrennermotoren, erfahren Fahrer von Oktober an auf Plakaten an der Tankstelle.

(Foto: Jan Woitas/dpa)

Elektroauto, Benziner oder Gas? Ab Oktober können sich Fahrer an größeren Tankstellen darüber informieren, was für sie die günstigste Variante ist. Weit vorne derzeit: E-Fahrzeuge.

Von Thomas Fromm

Wer regelmäßig mit dem Auto an die Tanke fährt, kennt das: Der spontane Blick auf die Tafeln bei der Einfahrt, der schnelle Vergleich zwischen Benzin und Diesel, die auffälligen Preisverschiebungen, auch zwischen morgens, mittags und abends - und die ewige Frage: Wann ist eigentliche der beste Zeitpunkt fürs Volltanken? Und mittlerweile fragen sich manche wohl auch, was die Fahrt jetzt mit einem Elektroauto kosten könnte? Oder wären dies vielleicht sogar die richtigen Tage für Wasserstoff? Oft waren das noch keine wirklich belastbaren Kalkulationen: Benzin, Diesel, Strom, Gas?

Ab dem 1. Oktober soll sich das nun ändern. Größere Tankstellen in Deutschland müssen dann auf gelborangenen Plakaten oder digitalen Anzeigen einen aktuellen "Energiekostenvergleich" für die verschiedenen Antriebsarten aushängen. Damit wird eine Regelung der Europäischen Union umgesetzt, die die Sache übersichtlicher machen soll: Kunden können nun die Kosten ablesen, je nach Fahrzeuggröße, für 100 Kilometer, mit sieben verschiedenen Energieträgern. Von Wasserstoff über Strom bis zum Superbenzin. Die Werte werden dabei für zwei Fahrzeuggrößen angegeben: Klein- und Kompaktwagen auf der einen und Mittel- und Oberklasse-Fahrzeuge auf der anderen Seite. Aktualisiert werden die Zahlen vierteljährlich vom Wirtschaftsministerium.

Ziel der amtlichen Gegenüberstellung ist es, den Kunden aktuelle Zahlen an die Hand zu geben, mit denen sich das schnelle Durchrechnen vor Ort besser machen lässt. Laut Gesetzestext geht es darum, "künftige Kaufentscheidungen der Verbraucher bei der Personenkraftfahrzeugwahl zu unterstützen". Wer über einen längeren Zeitraum hin ausrechnet und vergleicht, was ihn die Energie für 100 Kilometer bei sehr verschiedenen Antriebsformen kostet, sattelt vielleicht beim nächsten Neuwagen um. Mit mehr Transparenz beim Tanken eine Hilfe geben für künftige Kaufentscheidungen sozusagen.

Und hier setzen dann auch die Kritiker an. Die Zahlen, die schon vor Beginn der Informations- und Aushangpflicht auf der Seite des Ministeriums veröffentlicht wurden, legen nahe: Die Kosten für eine Fahrt von 100 Kilometern mit einem Elektroauto sind nur halb so hoch wie die mit einem Benziner. Konkret heißt das: Wer die Strecke in einem Mittel- oder Oberklasseauto fährt, das mit Superbenzin betankt wird, zahlt 11,42 Euro. Wer ein E-Auto fährt, muss für die gleiche Strecke Strom für 4,84 Euro tanken. Mit Autogas läge man bei 4,96 Euro, mit Wasserstoff bei 7,60 Euro. So gesehen, müsste die nächste Kaufentscheidung unbedingt und eindeutig für ein Elektrofahrzeug ausfallen. Klingt einfach? So einfach dann doch wieder nicht.

So richtig der Preisvergleich auch sei, moniert der Verband der Mineralölwirtschaft: Es fehle die Information, dass beim Laden der E-Autos der "durchschnittliche Haushaltsstrompreis zugrunde gelegt ist". Und zuhause ist es eben meist billiger als öffentlich und unterwegs. Eine Verzerrung, die sich leicht beheben ließe, etwa, indem man Durchschnittskosten miteinander verrechnet. Vom Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) heißt es jedenfalls: Der Vergleich mache "deutlich, dass die Elektromobilität für viele Autofahrerinnen und -fahrer nicht nur eine klimafreundliche, sondern auch eine finanziell attraktive Alternative ist".

© SZ
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