Nach Waldbränden in Kalifornien Energiekonzern PG&E meldet Insolvenz an

Feuerwehrmänner schauen zu, wie ein Flugzeug Wasser auf das "Holy Fire" im Cleveland National Forest abwirft.

(Foto: dpa)
  • Nach den verheerenden Waldbränden in Kalifornien hat der Versorger PG&E Insolvenz angemeldet.
  • Der Konzern will sich damit vor den Forderungen seiner Gläubiger schützen.
  • Für die Brandopfer ist das eine schlechte Nachricht: Sie könnten nun nur einen Bruchteil ihrer Forderungen erhalten.

Der größte US-Versorger PG&E hat nach den verheerenden Waldbränden im Bundesstaat Kalifornien Insolvenz angemeldet. Der Energieriese beantragte am Dienstag Gläubigerschutz. Hintergrund seien Forderungen nach den Bränden aus den Jahren 2017 und 2018. Gleichzeitig wolle der Versorger seine Sicherheitsvorkehrungen gegen neue Feuer ausbauen. PG&E ist damit zunächst vor Forderungen seiner Gläubiger geschützt und kann seine Geschäfte weiter betreiben.

Für die Opfer der Waldbrände in Kalifornien ist das eine schlechte Nachricht. Sie machen marode Stromleitungen von PG&E für den Ausbruch der Feuer verantwortlich, unter anderem für jenes im November 2018, bei dem mindestens 86 Menschen starben. Sie werden nun wie alle anderen Gläubiger des Konzern behandelt und dürften somit wohl nur einen Bruchteil ihrer Forderungen erhalten.

Auch wenn die Untersuchungen noch nicht abgeschlossen sind, deutet alles darauf hin, dass schlecht gewartete Stromleitungen des Energiekonzerns PG&E das verheerende Feuer im November ausgelöst haben, das die Kleinstadt Paradise vollständig niederbrannte. Offenbar war kurz vor Ausbruch des Feuers eine Halterung in einer Oberleitung gebrochen und hatte einen Kurzschluss ausgelöst. Ein Funke, der genügte, um im knochentrockenen kalifornischen Wald ein Inferno auszulösen. Ohne Insolvenzantrag hätte PG&E aller Voraussicht nach Tausenden Opfern Schadenersatz leisten müssen, vor allem Angehörigen, die ihr Haus oder ihr Geschäft an das Feuer verloren haben.

Schulden in Höhe von mehr als 18 Milliarden US-Dollar

PG&E stand auch vor den Erkenntnissen in Kalifornien bereits unter verschärfter Beobachtung, und zwar wegen mehrerer Brände im Jahr 2017. Auch bei ihnen wurde marode PG&E-Infrastruktur als Ursache vermutet. Zumindest bei einem tödlichen Feuer aus 2017 wurde das Unternehmen in der vergangenen Woche durch Brandexperten entlastet.

Der US-Energiekonzern hat Schulden in Höhe von mehr als 18 Milliarden US-Dollar. Insider hatten zuvor berichtet, das Unternehmen fürchte Kosten von über 30 Milliarden US-Dollar nach den Großbränden der vergangenen zwei Jahre. Der Rückversicherer Münchener Rück hat allein die Schäden aus der Katastrophe in Kalifornien im November auf 16,5 Milliarden Dollar beziffert. Die frühere PG&E-Chefin Geisha Williams ist mittlerweile zurückgetreten. PG&E versorgt mehr als sechs Millionen Haushalte im Norden Kaliforniens mit Strom und Gas.

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