Energiekonzern Gazprom in Deutschland Flamme für den FC Bayern

Unterschrift von Seehofer, Geheimtreffen mit Rummenigge und Hoeneß: Russlands Energieriese Gazprom will SZ-Informationen zufolge mit neuen Verbündeten in Deutschland Fuß fassen, wenn sein Deal mit RWE scheitert. Dabei sollen ihm die bayerische Regierung und die Fußballer vom FC Bayern helfen. Noch sponsern die Russen einen großen Konkurrenten.

Von Markus Balser

Dem mächtigen Gast war die Reise wichtig. Alexej Miller brach am Mittwoch trotz heftigen Schneetreibens in Moskau auf und landete erst mit stundenlanger Verspätung in München. Miller, als Chef des Gasriesen Gazprom mit 400.000 Beschäftigten einer der mächtigsten Männer Russlands, ließ sich per Polizeieskorte wie ein Staatsgast vom Flughafen in die bayrische Staatskanzlei chauffieren.

Gazprom sponsert Schalke 04 (hier Torjäger Raul) - noch.

(Foto: dpa)

Die Zeit drängte, schließlich ging es um viel: Den Einstieg des russischen Konzerns auf dem deutschen Strommarkt.

Weil die monatelangen Gespräche mit Deutschlands zweitgrößtem Energiekonzern RWE über ein Gemeinschaftsunternehmen zum Bau und Betrieb von Gaskraftwerken nach Informationen der Süddeutschen Zeitung ins Stocken geraten sind, sucht der Kreml nach Alternativen. Scheitert das Projekt mit dem Unternehmen aus Essen, will der Kreml-nahe Milliardenkonzern seinen Angriff auf den deutschen Strommarkt nun offenbar von Bayern aus starten. Miller, Seehofer und Bayerns Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) unterzeichneten am Mittwoch eine entsprechende Absichtserklärung.

Demnach will sich Gazprom direkt am Bau und Betrieb von Gaskraftwerken beteiligen. Bis Ende 2012 will der Konzern mögliche Standorte und Partner wie Stadtwerke suchen. Im Frühjahr soll es ein Treffen mit bayerischen Unternehmen und Kommunen geben, bei dem die Optionen besprochen werden. Danach wolle Gazprom über konkrete Investitionen entscheiden, kündigte Miller an.

Russisches Gas, russisches Geld

Russlands größter Rohstoff- und Energiekonzern wittert nach dem Atomausstieg seine Chance in Deutschland. Gazprom sei bereit, so Miller, "nicht nur als Gaslieferant, sondern auch als Investor aufzutreten". Er sei sicher, dass die Zusammenarbeit mit Bayern "sehr erfolgreich sein und Jahrzehnte dauern" werde. In Bayern rennt der Konzern mit seinem Vorstoß offene Türen ein. Denn die Staatsregierung ist im Zuge des Atomausstiegs dringend auf Investoren für mehrere neue Gaskraftwerke angewiesen. Kaum ein anderes Bundesland hing bislang so stark von Atomstrom ab wie Bayern. Seehofer hatte im Frühjahr bereits bei einem Treffen mit Russlands Regierungschef Wladimir Putin das deutsche Interesse an russischem Gas und Geld angemeldet.

Damit hat Gazprom den erhofften politischen Verbündeten in Deutschland gefunden. Es waren genug Hindernisse zu überwinden: Auch innerhalb der Regierungskoalition in Berlin gab es zuletzt immer wieder kritische Stimmen, die bei einem Einstieg auf dem hiesigen Strommarkt vor einer zu großen Abhängigkeit Deutschlands von Moskau warnten.

Mit dem Treffen in München erhöht Miller nun auch noch den Druck auf RWE, sich in den Verhandlungen mit Moskau endlich zu bewegen. Nach Angaben aus Konzernkreisen will RWE-Chef Jürgen Großmann am Donnerstag zu einem möglicherweise entscheidenden Gespräch mit Miller nach Moskau reisen. Während RWE bei dem möglichen Gemeinschaftsunternehmen mit einem Anteil von 51 Prozent die Führung übernehmen will, fordert Gazprom mindestens einen Zusammenschluss auf Augenhöhe.

Miller geht derweil einen Schritt weiter. Er sucht nach Chancen, das Image der Russen in Deutschland aufzupolieren. Nach Informationen der SZ folgte dem Auftritt des Managers in der Staatskanzlei am Mittwoch ein Geheimtreffen des mächtigen Wirtschaftslenkers mit dem Vorstandschef und dem Aufsichtsratschef des FC Bayern München, Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß. Den Angaben zufolge will der Gazprom-Konzern oder eine seiner Marken als Sponsor des Clubs aktiv werden. Gazprom und der FC Bayern kommentierten die Angaben bis Redaktionsschluss nicht. Gazprom ist seit Anfang 2007 Hauptsponsor des Bundesligaklubs Schalke 04. Der Vertrag wurde im Mai bis 2017 verlängert.*

*Anmerkung: In einer ersten Version hieß es noch, der Vertrag zwischen Gazprom und Schalke würde am Ende der Saison auslaufen. Wir haben dies korrigiert.