Energieeffizienz Wie Deutschland die Abhängigkeit von Russlands Gas halbieren kann

Gasfeld von Gazprom: Russland liefert viel Energie nach Europa.

(Foto: Bloomberg)

Der wichtigste Erdgas-Lieferant für Europa heißt Russland. Das muss nicht so bleiben: Wenn Wohnungen saniert werden und die Industrie effizienter arbeitet, kann Deutschland einer Studie zufolge viel Gas aus Russland einsparen.

Im Streit über die Zukunft der Ukraine verfügt Russland gegenüber dem Westen über einen wichtigen Hebel: Etwa 30 Prozent des Erdgases für die EU kommen von dort. Auch Deutschland deckt bislang einen großen Teil des Rohöl- und Erdgasbedarfs über russische Importe, hier sind es sogar fast 40 Prozent. Bei der Diskussion über Wirtschaftssanktionen gegen Moskau schwingt daher immer die Sorge um die eigene Energieversorgung mit.

Um die Abhängigkeit von russischen Gasimporten zu reduzieren, besteht zum einen die Möglichkeit, stärker auf andere Lieferanten zu setzen. In Deutschland sind dies vor allem Norwegen und die Niederlande, von dort kommt bereits heute jeweils etwas mehr als 20 Prozent des Gases.

Eine andere Option ist, den Verbrauch zu reduzieren. Hier gibt es auf mittelfristige Sicht großes Einsparpotenzial. In zehn Jahren könnte die bisherige Abhängigkeit von Russland um mehr als die Hälfte gesenkt werden. Dafür müsste die Industrie mehr in Energieeffizienz investieren und Wohnungen müssten doppelt so schnell saniert werden wie momentan. Das ist das Ergebnis einer Studie, die das Beratungsunternehmen Ecofys erstellt hat (hier als PDF). Auftraggeber ist eine Lobbygruppe von Unternehmen für Energieeffizienz.

Gerade beim Erdgas sei die Abhängigkeit besonders hoch, da ein kurzfristiger Umstieg auf andere Lieferquellen mit extrem hohen Kosten, großem Aufwand und ungeklärten Umweltfragen verbunden sei. Das meiste Gas werde in Deutschland für Industrieprozesse sowie zur Beheizung privater und gewerblicher Gebäude benötigt. Bisher importiere Deutschland umgerechnet jährlich 259 Milliarden Kilowattstunden Gas aus Russland.

Die Industrie könnte laut Ecofys den Gasverbrauch in zehn Jahren um etwa 51 Milliarden Kilowattstunden jährlich drücken. Dazu seien Maßnahmen wie Wärmerückgewinnung oder der Einsatz effizienterer Dampf- und Heißwassererzeuger nötig. Nach Stand der jetzigen Energiepolitik, ohne zusätzliche Investitionen, würden die Einsparungen in zehn Jahren sonst bei etwa 26 Milliarden Kilowattstunden liegen.

Auch in Privathaushalten gibt es Einsparpotenziale. 84 Milliarden Kilowattstunden Gas könnten beim Heizen und beim Warmwasser eingespart werden. Dazu müsste die derzeitige Sanierungsrate jedoch von einem Prozent auf zwei Prozent verdoppelt werden. Das bedeutet: In zehn Jahren müssten 20 Prozent der Bestandsgebäude auf einen guten Neubaustandard saniert werden oder entsprechend mehr Gebäude teilsaniert werden, heißt es von den Studienautoren.