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Energie: Werbefilm und Wahrheit:"Reinstes Greenwashing"

Dass RWE auch in den nächsten Jahren auf die rauchenden Kohle-Schlote setzt, kündigte Großmanns Vorgänger Harry Roels bereits vor Jahren an. "Unsere heimische Braunkohle reicht noch für mehr als 200 Jahre und wir bauen sie subventionsfrei ab", gab der ehemalige RWE-Chef im Geschäftsbericht 2006 zu Protokoll.

In dem filmischen Öko-Feldzug des "Energieriesen" nimmt die Kohleenergie nur verschwindend geringe zehn Sekunden ein. In der Sequenz sitzt das Monster in einer Grube wie in einem Sandkasten und wirft lediglich einige Kohlestücke aufs Fließband. Rauch und qualmende Schornsteine, die Schattenseite der Kohleenergie, sehen die jugendlichen Potter-Fans nicht.

Auch andere Negativschlagzeilen kratzten zuletzt an der grünen Fassade von RWE. In Bulgarien investiert RWE eine Milliarde Euro in einen Atommeiler - der allerdings in einem Erdbebengebiet steht. Im Sommer 2008 musste das Unternehmen zudem zähneknirschend einräumen, dass in Deutschland bleihaltige Rostschutzanstriche von Strommasten den Boden belastet haben. Von den 20.000 RWE-Höchstspannungsmasten würden noch etwa die Hälfte die bleihaltigen Rostschutzmittel tragen, hieß es damals.

"Groß, stark, freundlich"

Da kann auch das im Werbefilm erwähnte britische Meeresströmungskraftwerk nicht viel ändern. Denn das existiert bislang erst in den Köpfen der RWE-Strategen. "Wenn das Genehmigungsverfahren erfolgreich verläuft und die Finanzierung steht, könnte das Gezeitenkraftwerk bereits 2011 oder 2012 in Betrieb gehen", heißt es auf der RWE-Internetseite.

Diesem Negativ-Image soll nun das freundlich grinsende Monster als neuer Sympathieträger entgegenwirken. Und damit der Energieriese auch mit einer Persönlichkeit versehen wird, haben die RWE-Werber dem tapsigen Computer-Monster auch gleich eine ganze Biographie mit gegeben. Er ist stolze 111 Jahre alt (wie RWE), er ist "groß, stark, freundlich, gut 60 Meter hoch, wiegt knapp 300 Tonnen". Es fehlt eigentlich nur noch ein eigenes Profil bei Facebook oder eine Zeichentrickserie im Kinderkanal.

Umweltschützer sind entsetzt von der Kampagne. RWE betreibe "reinstes Greenwashing", sagt Greenpeace-Energieexpertin Anike Peters. Sie stört sich vor allem daran, dass der Film im Vorprogramm der Harry-Potter-Filme zu sehen ist: "Besonders bedenklich finde ich, dass Kindern und Jugendlichen so ein Bär aufgebunden wird."

"Negative Vorurteile"

RWE dagegen begründet die Ausstrahlung des Spots im Vorprogramm von "Harry Potter" mit den "zu erwartenden hohen Besucherzahlen". Der Energieriese richte sich an alle Altersgruppen. Die Kritik der Umweltschützer kontert eine Sprecherin. "Wir zeigen in diesem Spot nur was wir ohnehin tun - unter anderem auch Braunkohletagebau." Der Vorwurf des "Greenwashing" sei also nicht berechtigt.

Im Gegenteil: RWE wolle mit dieser Kampagne "mit den typischen Vorurteilen gegenüber 'Energieriesen' aufräumen", sagt die Sprecherin. Auf der RWE-Internetseite wird auf die Parallelen zwischen dem Energie-Kuschelmonster und dem Filmhelden Shrek hingewiesen: Die beiden hätten "gemeinsam, dass beiden zunächst nur negative Vorurteile entgegengebracht werden".

Jetzt muss RWE diese Vorurteile nur noch in der Realität widerlegen - und nicht nur im idyllischen Monster-Märchen.

© sueddeutsche.de/jja
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