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Energie:Viel Wind um die Mühlen

Windpark Baustelle vor dem Sturm Stuckum Reuï¬'enkËÜge Schleswig-Holstein Germany *** Wind farm construction site in front

Streitfaktor Windpark: Die Bürger lehnen sie nicht ab, sie wünschen sich aber mehr Beteiligung der Gemeinden, heißt es in der Studie.

(Foto: Guenter Nowack/imago/penofoto)

Die Energiewende hat offenbar viel mehr Rückhalt in der Bevölkerung als gedacht - ergab eine neue Studie.

Um die Energiewende sah es zuletzt gar nicht gut aus. Bürgerinitiativen rund um jedes neue Windrad, Kritik an den Kosten, Zweifel an der Akzeptanz. Haben die Deutschen womöglich die Lust an der Energiewende verloren? Eine Umfrage des Potsdamer Nachhaltigkeits-Instituts IASS legt anderes nahe. Demnach ist die Zustimmung gegenüber dem Vorjahr sogar noch gewachsen: "Eine deutliche Mehrheit der Befragten versteht die Energiewende als Gemeinschaftsaufgabe, zu der jeder in der Gesellschaft einen Beitrag leisten sollte", heißt es in einer Studie, die der Süddeutschen Zeitung vorliegt. 82 Prozent der Befragten sahen das so.

Die Befragung fand im Herbst 2019 statt - in einer Zeit also, in der in Deutschland einerseits viel über Klima, andererseits aber auch über die Akzeptanz von Windrädern gestritten wurde. Die Koalition hatte sich auf einen pauschalen Mindestabstand zwischen neuen Windrädern und Wohnhäusern verständigt, konnte sich dann aber nicht auf die Modalitäten einigen. Der Mindestabstand sollte helfen, Widerstände gegen neue Windräder zu dämpfen.

Doch anscheinend hat die Koalition beim falschen Problem angesetzt, denn die Abstände sind für viele Bürger nicht das wichtigste Problem. Zwar äußerten 45 Prozent der Befragten Sympathien für solche Vorgaben. Noch viel wichtiger aber scheint den meisten eine finanzielle Beteiligung der Gemeinden an Umsätzen - oder die Möglichkeit, sich auch selber an Windprojekten zu beteiligen. Zwei Drittel der Befragten sahen das so; und das gleichermaßen in Ost- und Westdeutschland. In den ostdeutschen Ländern, wo schon viele Windräder stehen, hat die Windkraft einen schwereren Stand, knapp ein Drittel lehnt den Ausbau ab. Bundesweit aber hat ihr Ausbau eher an Rückhalt gewonnen.

Das freilich scheint weniger auf die Energiewendepolitik der großen Koalition zurückzugehen. Zwei Drittel der Befragten zeigte sich damit unzufrieden, deutlich mehr als bei den "Energiewende-Barometern" des IASS in den beiden Vorjahren. Für 57 Prozent geht sie zu langsam voran, um das Klima zu schützen, 55 Prozent der Befragten vermissen die soziale Gerechtigkeit. Viel Zustimmung für ein Projekt, aber große Kritik an der konkreten Umsetzung - "das erleben wir bei Befragungen sehr selten", sagt IASS-Direktor Ortwin Renn. Erklären lasse sich das nur durch schrumpfendes Vertrauen in die politischen Akteure.

© SZ vom 16.04.2020

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