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Energie:"Machen Sie nun Ernst und Tempo!"

RWE Power Braunkohlekraftwerk Weisweiler bei Eschweiler am Braunkohle Tagebau Inden Braunkohlengro

Tagebau Inden bei Aachen, im Hintergrund das RWE-Kraftwerk Weisweiler: Deutschland will die Kohleverstromung spätestens 2038 beenden

(Foto: Jochen Tack/Imago)

Investoren loben den Wandel von RWE, doch fordern einen schnelleren Kohleausstieg.

Von Benedikt Müller-Arnold, Düsseldorf

Ginge es nur um Vorzeigebeispiele in der Hauptversammlung, könnte man meinen, RWE hätte die Energiewende längst hinter sich. Vorstandschef Rolf Martin Schmitz, 63, redet von einem Windpark vor der Küste Helgolands, der 2022 in Betrieb gehen soll. Oder über Seerechte vor der englischen Küste, die RWE kürzlich für Windräder ersteigert hat.

Tatsächlich äußern sich Investoren zwar erleichtert, dass Deutschlands größter Stromerzeuger gerade noch die Kurve zur erneuerbaren Energie bekommen habe. "RWE transformiert sich nachhaltig und ist auf dem Weg, vom Saulus zum Paulus der Energiebranche zu werden", sagt Henrik Pontzen von Union Investment, dem Fondshaus der Volks- und Raiffeisenbanken. Gleichwohl appelliert Pontzen an den künftigen Chef Markus Krebber, 48, der die Geschäfte dieser Tage übernimmt: "Machen Sie nun Ernst und Tempo!"

RWE hatte voriges Jahr das Netz- und Vertriebsgeschäft der Tochter Innogy an den Rivalen Eon abgegeben. Im Gegenzug übernahm RWE die weltweiten Wind- und Solaranlagen von Innogy und Eon. Seitdem erwirtschaftet der Konzern gut die Hälfte seiner Gewinne mit Ökostrom. Schaut man allerdings auf die installierten Kraftwerkskapazitäten, sind Gas- und Braunkohlemeiler noch in der Mehrheit. "Mit einem CO₂-Ausstoß von knapp 69 Millionen Tonnen im Jahr 2020 ist RWE immer noch ein Emissionsschwergewicht in Europa", moniert Vanessa Golz von Deka, der Fondsgesellschaft der Sparkassen. "Deshalb ist eine Beschleunigung beim Braunkohleausstieg notwendig."

Dies fordern nicht nur Investoren und jene Aktivisten, die am Mittwoch ein Förderband von RWE im Rheinischen Braunkohlerevier besetzten. Beispielsweise sprach sich auch Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) kürzlich dafür aus, dass Deutschland die klimaschädliche Kohleverstromung bereits bis 2030 beenden sollte; die Grünen fordern dies ebenfalls. Der Bund hatte voriges Jahr einen Ausstieg bis spätestens 2038 beschlossen. Alleine RWE soll hierfür eine Entschädigung von 2,6 Milliarden Euro erhalten; die EU-Kommission prüft diese Vereinbarung noch.

Vorstandschef Schmitz nimmt seinen Konzern - letztmals in diesem Amt - in Schutz. "Bis 2030 legen wir zwei Drittel unserer Braunkohle-Kapazität still", bekräftigt der baldige Ruheständler. "Zwei von drei Tagebauen werden bis dahin geschlossen." RWE werde der Verantwortung gegenüber den Beschäftigten sowie der Pflicht zur Rekultivierung gerecht. Zugleich investiere der Konzern "nahezu ausschließlich in 'grüne Energie'", so Schmitz. "Wir arbeiten intensiv daran, RWE immer nachhaltiger zu machen." Von kommendem Monat an wird dies die vordringliche Aufgabe des bisherigen Finanzchefs Krebber.

© SZ vom 29.04.2021
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