Energie - Kiel:Verbände warnen vor einseitiger Belastung von Vermietern

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Energie - Kiel: Ein Mann dreht in einer Wohnung am Thermostat einer Heizung. Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa/Symbolbild
Ein Mann dreht in einer Wohnung am Thermostat einer Heizung. Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa/Symbolbild (Foto: dpa)

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Kiel (dpa/lno) - Wohnungswirtschaft und private Hauseigentümer haben die Landesregierung in Kiel aufgefordert, mit den Folgen der drastisch gestiegenen Energiepreise nicht einseitig die Vermieter zu belasten. Diese dürften nicht zu Verlierern der Energiekrise werden, weil auch sie für die Krise nicht verantwortlich seien, erklärte der Direktor des Verbandes norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW), Andreas Breitner, am Dienstag aus Anlass einer Diskussionsrunde der Wohnungswirtschaft mit der Landesregierung.

"Es mag aus Sicht der Landesregierung verführerisch sein, einen großen Teil der Lasten auf die Vermieter abzuladen." Das wäre aber nicht sachgerecht und würde mittelfristig dazu führen, dass die Wohnkosten weiter steigen, sagte Breitner einer Mitteilung zufolge. Auch die Vermieter seien nicht in der Lage, kurzfristig an Gebäuden oder Heizungen etwas zu ändern, um die aktuelle Krisensituation zu meistern. Ein hydraulischer Abgleich der Heizung oder der Austausch alter gegen neue Heizkörper würden bereits im Rahmen von Instandhaltung und Modernisierung gemacht. Wer glaube, das Ganze ließe sich über Nacht beschleunigen, der irre. Im Übrigen fehlten qualifizierte Handwerker.

Mit weiteren Einsparmaßnahmen und -anreizen sollten die Kostensteigerungen für die Menschen so gering wie möglich gehalten werden, erklärte das auch für Energie zuständige Umweltministerium. "Die Lage ist ernst, wir stellen uns auf schwierige Zeiten ein", äußerte Staatssekretär Joschka Knuth nach dem Meinungsaustausch. Es gehe vor allem darum, die Gesellschaft noch stärker für die Notwendigkeit von Gaseinsparungen zu sensibilisieren. Steigende Energiekosten stellten viele Menschen vor enorme Herausforderungen. Erforderlich seien kurzfristige Maßnahmen, die im Kleinen zum Einsparen von Energie beitragen. Dazu gehörten wassersparende Duschköpfe und der Einbau smarter Thermostate. Zudem könnten Verbraucher mit ihrem Verhalten Energie und Kosten sparen.

Es reiche nicht, einfach zum Beispiel Heizkörper auszutauschen, meinte VNW-Direktor Breitner. "Notwendig sind überarbeitete Wärmekonzepte, die auch nicht von heute auf morgen erstellt werden können." Breitner warnte die Politik davor, Mieter und Vermieter gegeneinander auszuspielen. Sich einseitig auf die Seite der Mieter zu schlagen, löse die anstehenden Probleme nicht. "Wer nicht von sofort an individuell spart, muss im kommenden Jahr bei seiner Heizkostenabrechnung mit sehr großen Belastungen rechnen."

Der Eigentümerverband Haus & Grund fordert für Vermieter das Recht, wie Energieversorger ihre Vorauszahlungen für Heizkosten zu erhöhen. "Ansonsten sind Konflikte wegen hoher Nachzahlungen nach der nächsten Heizkostenabrechnung vorprogrammiert", erläuterte der Landesvorsitzende Alexander Blažek. Nach geltendem Recht dürfen Vermieter die Vorauszahlungen nur nach einer Abrechnung anheben. "Das ist angesichts der brisanten Situation nicht mehr angemessen", meinte Blažek angesichts der drastisch gestiegenen Energiepreise.

Für Vermieter seien Energiekosten durchlaufende Posten. Bliebe es bei der aktuellen Rechtslage, müssten Vermieter die explodierenden Gaspreise für Mieter vorfinanzieren. "Das kann private Kleinvermieter, die rund zwei Drittel des Wohnungsmarktes abdecken, in finanzielle Schwierigkeiten bringen."

Blažek warf dem Umweltministerium eine einseitige Fokussierung auf Mieter vor. "Auch viele Menschen in den eigenen vier Wänden wissen nicht, wie sie mit ihrer kleinen Rente die Gasrechnung bezahlen sollen." Diese Gruppe dürfe die Landesregierung nicht im Stich lassen. "Bei der aktuellen Notlage sitzen Häuslebesitzer, Vermieter und Mieter in einem Boot", erklärte Blažek. "Das Land hat die Aufgabe, dieses Boot durch die schwere See in den sicheren Hafen zu manövrieren." Um Mietern zu helfen, müssten die staatlichen Sicherungssysteme funktionieren.

Das Land müsse umgehend eine unabhängige Energieberatung für Hausbesitzer fördern, meinte Blažek. "Nicht für jedes Haus ist eine Wärmepumpe geeignet." Die Kommunen müssten so schnell wie möglich Wärmepläne aufstellen. "Wer jetzt eine Wärmepumpe einbaut, obwohl die Gemeinde ein Nahwärmenetz bauen will, hat zigtausende Euros in den Sand gesetzt."

© dpa-infocom, dpa:220719-99-78747/3

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