EnergieversorgungAtomkraft und erneuerbare Energien werden weltweit ausgebaut

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Frankreichs Präsident Emmanuel Macron setzt auf Atomkraft: Vergangenen März besuchte er die Baustelle in Penly, wo ein neuer Reaktortyp 2038 in Betrieb gehen soll.
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron setzt auf Atomkraft: Vergangenen März besuchte er die Baustelle in Penly, wo ein neuer Reaktortyp 2038 in Betrieb gehen soll. LUDOVIC MARIN/AFP
  • Die Internationale Energieagentur registriert weltweit eine Renaissance der Atomkraft mit 80 Milliarden Dollar Investitionen in diesem Jahr und 80 Gigawatt neuer Kapazität im Bau.
  • Investitionen in erneuerbare Energien steigen 2026 auf 665 Milliarden Dollar, während Öl-Investitionen das dritte Jahr in Folge auf unter 500 Milliarden Dollar sinken.
  • IEA-Chef Fatih Birol erwartet tiefgreifende Umwälzungen der Investitionsstrategien weltweit als Folge der größten Energiekrise, die die Welt je erlebt hat.
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Weltweit wachsen Atomkraft und erneuerbare Energien – im Ölsektor fließt weniger Geld. Die Internationale Energieagentur erwartet, dass die Energiekrise den Umbau weiter beschleunigt.

Von Alexandra Föderl-Schmid

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Der Iran-Krieg und die Schließung der Straße von Hormus haben gezeigt, wie volatil die Energieversorgung rund um den Globus ist. Mit mehr Aufmerksamkeit als sonst werden deshalb Jahresberichte wie jene der Internationalen Energiebehörde (IEA) in Paris verfolgt, die Investitionen in diesem Bereich analysieren – schließlich geht es darum, künftig Energiekrisen zu vermeiden. Der neueste Energieinvestitionsreport macht deutlich: Global wird mehr auf Kernkraft und erneuerbare Energien gesetzt, die Investitionen im Ölsektor gehen zurück.  Weltweit werden in diesem Jahr 3,4 Billionen US-Dollar in den Energiesektor gepumpt – also in den Ausbau von Netzen und Effizienz, in Speicherkapazitäten und Energieträger. Das ist ein leichter Anstieg gegenüber 2025.

Arbeiter stehen an einer Baustelle in Frankreich, an der ein neuer EPR2-Reaktor gebaut wird.
Arbeiter stehen an einer Baustelle in Frankreich, an der ein neuer EPR2-Reaktor gebaut wird. LUDOVIC MARIN/AFP

Die Kernenergie erlebt jedenfalls eine Renaissance. In 15 Ländern befinden sich derzeit Kernkraftwerke mit einer neuen Kapazität von fast 80 Gigawatt im Bau. Mehr als 80 Milliarden Dollar werden in diesem Jahr in Atomkraft investiert. Diese Mittel fließen hauptsächlich in Neubauten, da eine Welle von Wartungs- und Modernisierungsausgaben in Europa ausläuft, heißt es in dem Bericht. Vor allem Frankreich und Großbritannien setzen auf Kernenergie und hier vor allem auf die Entwicklung von SMR, das für „Small Modular Reactor“ steht – kleine, modulare Kernreaktoren. Allerdings ist noch nicht klar, ob diese sogenannten Minimeiler überhaupt funktionieren.

Frankreich treibt überdies den Bau von neuen EPR2-Reaktoren voran, das sind Druckwasserreaktoren der neueren Bauart. Was diese Entwicklungen im Atombereich betrifft, da herrscht bei der in Paris ansässigen IEA durchaus Skepsis: „Trotz der zunehmenden Dynamik bleiben Projektlaufzeiten und Lieferrisiken erheblich, insbesondere für Neubauprogramme und neuartige SMRs.“

Das dritte Jahr in Folge sinken die Investitionen im Ölsektor

Die meisten neuen Atommeiler entstehen in China – durchschnittlich zehn pro Jahr. Ein Drittel der weltweit getätigten Investitionen im Bereich der Kernenergie wird in diesem Land getätigt. Aber auch in anderen Teilen Asiens ist das Interesse am Ausbau groß, registriert die IEA.

Nach mehreren Jahren rasanter Expansion hat sich das jährliche Investitionswachstum bei erneuerbaren Energien dagegen abgeflacht – aber es geht weiter bergauf. Die Investitionen in Projekte für erneuerbare Energien werden sich 2026 voraussichtlich auf rund 665 Milliarden US-Dollar belaufen, wovon allein 365 Milliarden US-Dollar in Solarenergie fließen.

Das dritte Jahr in Folge sinken 2026 jedoch die Investitionen im Ölsektor auf nunmehr unter 500 Milliarden Dollar. Dazu trägt die durch den Iran-Krieg entstandene Unsicherheit bei, analysiert die IEA. Investitionen in Erdgas machen 330 Milliarden Dollar aus und steigen auf den höchsten Stand seit einem Jahrzehnt. Hauptgrund sind neue Projekte für Flüssigerdgas, insbesondere in den USA und Katar wird auf LNG gesetzt.

Tiefgreifende Umwälzungen werden erwartet

Auch in Kohle wird investiert – 70 Prozent davon in China. In dem Bericht heißt es, dass einige von der aktuellen Energiekrise besonders betroffene asiatische Länder versuchen dürften, bestehende Kohlekraftwerke länger in Betrieb zu halten.

„Wir befinden uns inmitten der größten Energiekrise, die die Welt je erlebt hat. Ich glaube, dass dies die Investitionsstrategien weltweit verändern wird, ähnlich wie die tiefgreifenden Umwälzungen in der Energiewelt nach den Ölkrisen der 1970er-Jahre“, sagt IEA-Chef Fatih Birol.

Seine Agentur beobachte als Reaktion sowohl den Bau neuer Pipelines als auch die verstärkte Nutzung heimischer Ressourcen. Generell würden Staaten mehr auf Diversität der Energieträger achten, um nicht zu sehr etwa von Öl abhängig zu sein. Auch auf Energieeffizienz wird in Zeiten der Krise mehr Wert gelegt. Laut IEA werden weltweit jährlich rund 350 Milliarden US-Dollar in Maßnahmen zur Verbesserung der Effizienz investiert.

Der Bericht spiegelt auch die Bemühungen von Staaten wider, die Elektrifizierung voranzutreiben. Die Investitionen in Stromversorgung und -infrastruktur werden 2026 voraussichtlich fast 1,6 Billionen US-Dollar erreichen und auf 2 Billionen US-Dollar steigen. Mit ein Grund für den Ausbau ist das rasante Wachstum von Rechenzentren und künstlicher Intelligenz, das die Energieinvestitionen in einigen Märkten, insbesondere in den USA zunehmend beeinflusse, heißt es in dem Bericht.

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Internationale Energieagentur
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SZ PlusInterview von Alexandra Föderl-Schmid

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