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Energie - Gera:Vorschlag für "SuedOstLink"-Verlauf steht

Gera (dpa) - Bei der überregionalen Starkstromtrasse "SuedOstLink" will der Netzbetreiber 50Hertz für eine spätere Erweiterung vorbauen. Zudem wird erwogen, in Thüringen und Sachsen leistungsfähigere Kabel in die Erde zu bringen. So würden derzeit neben den bisher erprobten Leitungen mit 320 000 Volt auch 525 000 Volt-Kabel getestet, teilte das Unternehmen am Montag in Gera mit. Von einem Riesenvorteil schwärmte Unternehmenssprecher Axel Happe: "Dann können wir mehr Strom pro Kabel transportieren und brauchen nur noch vier Kabel statt zwei." In dem zweiten Graben der Trasse könnten Leerrohre kommen, um die Kapazität von "SuedOstLink" später noch erhöhen zu können.

Die Gleichstromleitung mit einer Leistung von 2 Gigawatt soll künftig überschüssigen Strom aus dem Nordosten nach Bayern bringen. Sie hat vier Abschnitte und reicht von Wolmirstedt bei Magdeburg bis Isar bei Landshut. Beim Abschnitt B durch Ostthüringen und Westsachsen sind die Planungen den Angaben zufolge am weitesten fortgeschritten. Auf 86 Kilometern Länge startet er nördlich von Eisenberg, führt in einem Bogen östlich der A9 über Weida, überschreitet bei Mehlteuer im Vogtland die Grenze zu Sachsen und endet in der Nähe von Töpen in Bayern. Den Vorschlag zum konkreten Verlauf des 20 Meter breiten Streifens für die Leitungen stellte 50Hertz am Montag vor. Vorrang hätten Erdkabel, versicherte Projektleiter Mark Pazmandy.

Die Trasse sei so geplant, dass die Eingriffe in die Landschaft so gering wie möglich ausfielen, betonte Pazmandy. Dabei würden Wälder und Siedlungen umgangen. Größere Proteste - wie im Zusammenhang mit der umstrittenen Trasse "Suedlink" durch Südwestthüringen - erwarte er im Osten des Freistaates nicht. Es gebe aber Vorbehalte bei Bauern, die durch die Erdverkabelung eine Austrocknung der Böden und Veränderungen der Bodenstruktur befürchteten.

Kritik kam von der Linken. Der Ostthüringer Landtagsabgeordnete Daniel Reinhardt verwies auf die immensen Kosten und zweifelte an der Notwendigkeit der Trasse. "Die Alternative stellen dezentrale Energieversorgungsstrukturen dar, an denen die Menschen vor Ort beteiligt werden können", erklärte er. "Mit den Leitungen Windstrom aus dem Norden Deutschlands in den Süden zu transportieren, ist keine nachhaltige Energiepolitik."

Die Pläne werden in den nächsten Tagen bei vier Veranstaltungen in Greiz, Eisenberg, Weida und Rosenbach-Leubniz öffentlich vorgestellt. Am Jahresende soll der Vorschlag zum genaueren Trassenverlauf bei der Bundesnetzagentur eingereicht werden. Bis Mitte 2022 hofft 50Hertz auf den Planfeststellungsbeschluss. Danach könnte der Bau der Trasse starten und 2025 der Strom gen Süden fließen.