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Energie-Start-up:Marvel-Gründer holen Top-Wissenschaftler nach München

Geschäftsführerin Heike Freund und Mitgründer Karl-Georg Schlesinger wollen mit Marvel Fusion die Energieversorgung revolutionieren.

(Foto: Stephan Rumpf)

Das Münchner Start-up, das die Energieversorgung revolutionieren will, sichert sich die Unterstützung von Experten aus dem Silicon Valley.

Von Marc Beise, München

Ausstieg aus Kernenergie und Kohle, aber zu wenig Sonne und Wind fürs ganze Land - die Energieversorgung für die nächste Generation ist noch nicht gesichert. Ein deutsches Start-up glaubt, den Königsweg gefunden zu haben, hat dafür viele Millionen Euro Investorenkapital eingesammelt und bereitet den Bau eines ersten Versuchsreaktors vor. Jetzt sichert sich Marvel Fusion die Unterstützung international führender Fusionswissenschaftler und Experten für Laser- und Nanotechnologie.

Das 2019 in München gegründete Unternehmen will mit Hilfe der Fusionsenergie eine CO2-freie Energielösung als entscheidenden Beitrag zur globalen Energiewende entwickeln. Bei dieser Technik wird die Verschmelzung zweier Atomkerne, die zum Beispiel in der Sonne geschieht, nachgebildet. Mit der Wahl des richtigen Brennstoffs — bei Marvel Fusion Wasserstoff-1 und Bor-11 — produziert die Fusionsreaktion keinerlei langlebige radioaktive Rückstände und stellt kein Sicherheitsrisiko dar.

Prominentester Zugang ist Professor Siegfried Glenzer von der Stanford University, der Kaderschmiede des Silicon Valley. Der weltweit bekannte Physiker und Fusionsspezialist soll insbesondere die auf der Nutzung von Quanteneffekten basierende Technologie des Unternehmens weiter verfeinern. Glenzer ist Professor und Direktor der High Energy Density Division am Stanford Linear Accelerator Center (SLAC). Er hat entscheidende Entdeckungen bei der Entwicklung neuer Methoden zur Plasmadiagnostik mit intensiven Röntgenlichtquellen und hoher Energiedichte gemacht. Der Stanford-Professor gesteht der Technologie von Marvel Fusion große Chancen ein: "Dies ist ein völlig neuartiges Technologiekonzept mit disruptivem Potenzial. Es kann einen völlig neuen Weg zur Fusion eröffnen, der kommerzielle Energieerzeugung ermöglicht."

Vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) aus unterstützt Florian Metzler das Wissenschaftsteam von Marvel Fusion. Der Research Scientist am MIT Industrial Performance Center und MIT Nuclear Science and Engineering Department ist Experte für innovative Fusionstechnologien und spezialisiert auf die Steigerung von Fusionsraten durch quantendynamische Effekte. In München selbst stößt LMU-Physik-Professor Hartmut Ruhl zum Wissenschaftsteam des Start-ups. Parallel zur Weiterentwicklung der Technik wird gerade ein Standort für ein erstes Versuchskraftwerk gesucht, an dem Hunderte Wissenschaftler arbeiten sollen und das sich später zu einem ganzen Ecosystem von Firmen für die neue Technik entwickeln soll; mehrere Milliarden Euro sind für dieses Projekt bereits vorgesehen.

© SZ
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