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Ende des Lokführerstreiks:Was gegen Ramelow als Schlichter spricht: sein Verhalten am Donnerstag

Die GDL hat Bodo Ramelow (Linke) nominiert, den jetzigen Ministerpräsidenten von Thüringen. Für ihn spricht: viel Erfahrung im Tarifgeschäft. Ramelow ist Gewerkschafter von Haus aus; er war in Thüringen Landesvorsitzender der später in Verdi aufgegangenen Gewerkschaft Handel, Banken und Versicherungen, bevor er 1999 in den Landtag kam. Gegen ihn spricht: sein Verhalten am Donnerstag. "Es war ein Fehler der Deutschen Bahn, so lange auf Vollkonfrontation zu setzen", mit diesen Worten begann Ramelow am Donnerstag in Radiointerviews sein Schlichter-Dasein. "Ich habe in meinem Leben viele Tarife verhandelt, ein derart unprofessionelles Vorgehen habe ich noch nicht erlebt."

Hat jemals jemand einen Schlichter erlebt, dessen erste Amtshandlung darin besteht aufzuwiegeln? Ramelows zweite Amtshandlung wird sein, die Manager der Bahn davon zu überzeugen, dass ihm in den nächsten Wochen trotzdem noch an Diskretion und Ausgleich der Interessen gelegen ist. "Erstaunlich", sagte Bahnvorstand Weber, "wenige Stunden nachdem er benannt worden ist, sich schon kenntnisreich über unsere Tarifverhandlungen der letzten Monate zu äußern."

Unter Profis des Tarifhandwerks machte sich geradezu Entsetzen breit, was den Ministerpräsidenten getrieben hat. Er gilt ja als derjenige der beiden Schlichter, der seinem Kollegen fachlich absolut überlegen sein dürfte - was sich spätestens dann als Vorteil für die GDL erweisen könnte, wenn es ans Verfassen konkreter Vorschläge geht. Theoretisch. Doch nach diesem Spruch, sagt jemand, der mit dem Konflikt und den Kontrahenten überaus vertraut ist, "braucht man nicht zu hoffen, dass da irgendwas rauskommt". Und man würde wirklich gerne wissen, was Ramelow da geritten hat; Ramelow kündigt auf Anfrage eine Antwort für den späten Nachmittag an.

Die EVG-Führung steht unter einem ähnlichen Druck wie die der GDL

Wie geht es folglich weiter? Am Donnerstag zunächst so, dass Bahnvorstand Weber die nächste Verhandlungsnacht vor sich hatte. Um 17 Uhr sollte er in einem Berliner Hotel auf die Unterhändler der Eisenbahn-und Verkehrsgewerkschaft (EVG) treffen. Sie haben ihre Mitglieder vor allem in den Werkstätten und den Büros der Deutschen Bahn; aber auch die Mehrheit der Zugbegleiter ist bei der EVG organisiert. Die EVG-Oberen stehen bei ihren Mitgliedern unter ähnlichem Druck wie die Führung der GDL bei den ihrigen: dass sie, in der nun zwölften Verhandlungsrunde, zu einem Ende kommen, in ihrem Fall ohne Schlichtung.

Sollte dies nicht gelingen, hatten die Funktionäre der EVG Warnstreiks nach Pfingsten angekündigt - und dies mit derartiger Bestimmtheit, dass ihre Mitglieder sie daran messen werden. Nur stehen die EVG-Unterhändler vor einem doppelten Problem: Sie mussten nicht nur der Bahn Zugeständnisse abringen. Sie mussten auch Vorkehrungen für den Fall treffen, dass am 17. oder 24. Juni Platzeck und Ramelow für die GDL-Klientel mehr durchsetzen als die EVG-Unterhändler für die ihrige. "Zu erwarten ist, dass die EVG der Bahn eine Revisionsklausel abverlangen wird", sagt in Berlin ein Insider. Das heißt: Sollte die Bahn im Juni die Mitglieder der GDL besserstellen als die der EVG, werden die Vereinbarungen mit der EVG aufs GDL-Niveau gehoben. Andernfalls bräuchte EVG-Chef Alexander Kirchner seinen Mitgliedern gar nicht erst unter die Augen zu treten.

Später Donnerstagnachmittag, Bodo Ramelow hält, was er angekündigt hat - er lässt seinen Sprecher eine schriftliche Antwort auf die Frage verschicken, warum er am Morgen die Bahn so angegangen hat: "Ich will, dass dieser Konflikt mit einem Interessenausgleich beendet wird. Wir brauchen eine Lösung, die beiden Seiten gerecht wird. Da geht es am Ende nicht darum, ob sich die Bahn oder die GDL durchsetzt. Die Züge müssen wieder rollen, und die Beschäftigten der Bahn müssen faire Löhne und Arbeitsbedingungen haben."

Vier Sätze, einer luftiger als der andere. Na also, geht doch.

© SZ vom 22.05.2015/pamu

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