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Ende des Lokführerstreiks:Wie es zum Waffenstillstand zwischen Bahn und GDL kam

Streik der Lokführer wird beendet

"Ich bin bekanntlich einer, der etwas von Strategie und Taktik versteht": GDL-Chef Claus Weselsky, hier am Donnerstag in Berlin, über sich selbst.

(Foto: dpa)

War es Strategie? Oder Erschöpfung? Nach achtstündigen Verhandlungen einigen sich GDL-Chef Weselsky und Bahnvorstand Weber auf ein vorläufiges Ende des Streiks. Die Gesprächsatmosphäre? "Wie beim Weihnachtsfrieden im Ersten Weltkrieg".

Es ist ein paar Monate her, Claus Weselsky saß in Frankfurt in seinem Büro und wollte im vertraulichen Gespräch erklären, warum er sich so verhält, wie er sich verhält. Drei Stunden lang ging es hinab, tief in die Höhlen der Bahn- und der Gewerkschaftsgeschichte. Auf Nachfrage erlaubt er nun, ein paar wenige Sätze daraus zu zitieren. Zum Beispiel den hier: "Ich bin ja bekanntlich einer, der etwas von Strategie und Taktik versteht."

Alles, was klappt, lässt sich hinterher immer zur Strategie erklären, und ob die Einigung vom Donnerstagmorgen nun das Ergebnis von Strategie, von Erschöpfung oder womöglich einer äußerst erfreulichen Panne ist - es ist eine Einigung.

Die Vertreter der Bahn haben geschafft, dass Weselsky nun endlich einer Schlichtung zustimmt. Und Weselsky hat geschafft, dass die Bahn ihre Vorbedingung für eine Einigung fallen lässt: dass Tarifverträge, die sie für die jeweils selben Berufsgruppen mit verschiedenen Gewerkschaften schließt, auf Punkt und Komma identisch sein müssen.

Eine Atmosphäre "wie beim Weihnachtsfrieden von Verdun"

Zwei Tage hat es nochmals gedauert, bis Claus Weselsky und sein Kontrahent von der Bahn, Personalvorstand Ulrich Weber, dahin kamen. Am Dienstag saßen sie acht Stunden in Frankfurt beisammen, unter der Moderation des pensionierten Bundesarbeitsrichters Klaus Bepler in Frankfurt. Die Atmosphäre soll sogar ausgesprochen angenehm gewesen sein; ein Augenzeuge sagt: "wie beim Weihnachtsfrieden im Ersten Weltkrieg" - ein ziemlich aparter Vergleich: Weihnachten 1914 kletterten deutsche, britische und französische Soldaten aus ihren Schützengräben. Sie teilten miteinander das Essen, die Getränke und auch die Geschenke von daheim, bevor sie am nächsten Tag einander wieder umbringen mussten.

Am anderen Morgen erhielten Weselsky und Weber von Bepler den Entwurf für eine Schlichtungsvereinbarung, sie trafen sich am Nachmittag um 15 Uhr, wie gewohnt redeten sie sich wieder in Rage, bis morgens um drei Uhr. Aber immerhin, der Waffenstillstand gelang. Nun gilt: Abweichungen in einem Tarifabschluss mit der GDL von Regelungen mit der EVG sind nicht mehr per se ein K.-o.-Kriterium. Es wird vielmehr immer auf den Einzelfall ankommen, ob eine solche Abweichung für den Arbeitgeber Bahn praktikabel ist oder nicht. Jetzt wird es das Handwerk der beiden Schlichter sein, die beiden Parteien zu Regelungen zu bewegen, mit denen auch beide zurande kommen.

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Die Frage ist: Können diese Schlichter das?

Die Bahn hat Matthias Platzeck nominiert, den kurzzeitigen SPD-Chef und langjährigen Ministerpräsidenten von Brandenburg. Gegen ihn spricht: null Erfahrung im Tarifgeschäft. Für ihn spricht: Er weiß trotzdem, worauf es als Allererstes dabei ankommt. Platzeck sagte am Donnerstag: "Schlichten und Schweigen sind ein ganz gutes Pärchen, und daran werde ich mich auch halten."