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Ende der Biosprit-Förderung:Tank und Teller funktioniert nicht

Dann gibt es noch das Mengenproblem. Die Beschwörungsformel der Bauern-Funktionäre, dass deutsche Landwirte beides können, Tank und Teller - sie kann nicht funktionieren. Derzeit nutzen die Deutschen zwei Drittel der Feldfrüchte für Essen oder als Material für Bioplastik, Textilien und andere Produkte. Nur etwa ein Zehntel geht in die Energieerzeugung. Weil das, was auf heimischen Felder wächst, heute schon nicht ausreicht, um den wachsenden Bedarf zu decken, muss immer mehr importiert werden - zum Beispiel Palmöl für Diesel aus Indonesien oder Zuckerrohr-Ethanol für Benzin aus Brasilien.

Hinzu kommt: Mit seinem Biospritdurst verschärft Deutschland die Umweltprobleme und Landkonflikte in diesen Anbauländern. In Honduras muss die Regierung Kleinbauern vor gewaltsamen Übergriffen von Palmölproduzenten schützen. In Indonesien ist ein großer Teil des Regenwaldes vernichtet, dort stehen heute riesige Energie-Plantagen. In Kamerun und Äthiopien werden Bauern von ihren Feldern vertrieben, weil internationale Investoren dort Biospritpflanzen statt Nahrungsmittel anbauen wollen. Der Druck auf die Anbaufläche nimmt zu. Das schlägt sich auf die Preise für Nahrung nieder, eine Last vor allem für Menschen in ärmeren Ländern.

Die Fakten sprechen gegen die bisherige Biospritpolitik der EU und zwingen sie zu einer Kurskorrektur - mit weitreichenden Konsequenzen für Politik und Wirtschaft. Die Abkehr von einer großzügigen Förderung bringt zunächst die Bundesregierung in Bedrängnis. Ihr Plan für die Energiewende gerät ins Wanken. Denn der sieht vor, dass nachwachsende Rohstoffe bis 2050 knapp ein Viertel des Energiebedarfs hierzulande decken sollen. Dabei geht es nicht nur um Biosprit, sondern auch um Biogas zur Stromerzeugung. Blanker Irrsinn, warnen Wissenschaftler. Zu Recht. Das Ziel scheint unerreichbar.

Auch der Industrie droht ein schwerer Rückschlag. Wer glaubt, dass sich E 10 einfach so abschaffen lässt, wie jüngst von Entwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) vorgeschlagen, täuscht sich. Konzerne wie Südzucker oder Verbio haben viel Geld in den Bau von Ethanol- und Biodieselanlagen gesteckt. Ihnen drohen empfindliche Einbußen, wenn Subventionen und die Beimischungsquote wegfallen. Das ist für die Unternehmen fatal, aber Konsequenz der Tatsache, dass Deutschland und die EU in ihrer Biospritpolitik den falschen Weg eingeschlagen haben.

Diesen Fehler gilt es nun zu beseitigen. Es wird nicht der letzte sein bei dem so schwierigen Projekt Energiewende.

© SZ vom 12.09.2012/rela

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