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Empörung bei Quelle:"Halten Sie die Klappe!"

Wütende Quelle-Mitarbeiter: Bei einer Demo bekommen die Verantwortlichen für das Desaster ihr Fett weg - zum Beispiel Ex-Arcandor-Chef Middelhof

Mehrere hundert Quelle-Mitarbeiter haben am Mittwoch in der fränkischen Großstadt ihrem Frust über das überraschend schnelle Aus des Traditionsunternehmens lautstark Luft gemacht.

Demonstrierende Quelle-Mitarbeiter in Nürnberg: "In Deutschland spielen wild gewordene Manager Monopoly."

(Foto: Foto: ddp)

Zu der Protestkundgebung hatten der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) und die Gewerkschaft Verdi gemeinsam mit dem Betriebsrat aufgerufen. "Das ist als letzter Aufschrei zu verstehen, um zu zeigen, was aus diesem stolzen Versandhaus geworden ist", erklärte Verdi-Handelsexperte Johann Rösch.

Nach Schätzungen der Polizei beteiligten sich 800 Teilnehmer an dem Protest. Die Fürther Straße, vierspurige Hauptverkehrsader zwischen Nürnberg und dem benachbarten Fürth, war wegen des Aufmarsches direkt vor dem Quelle-Versandzentrum teilweise gesperrt.

Eine lange Reihe versagender Manager

Ulrich Maly und Thomas Jung, die beiden SPD-Oberbürgermeister der zwei Quelle-Standorte, ergriffen vor den Demonstranten das Wort und gingen mit den Quelle-Verantwortlichen hart ins Gericht: "In Deutschland spielen wild gewordene Manager Monopoly", stellte Maly fest.

Der SPD-Politiker hätte sich allerdings auch mehr Unterstützung von der Politik gewünscht: "So groß waren die Unterschiede in der Vorgeschichte von Opel und Quelle nicht."

Gewerkschafter Rösch erhob zudem schwere Vorwürfe gegen den früheren Vorstandschef des Quelle-Mutterkonzerns Arcandor, Thomas Middelhoff: "Mister Big M." habe in einer langen Reihe versagender Manager gestanden und nicht nur enttäuscht, sondern auch geblendet. Middelhoff hatte die Quelle-Pleite am vergangenen Wochenende laut einer Zeitungsmeldung als "nicht unabänderlich" bezeichnet. In Hinblick auf diese Äußerung sagte Rösch zu Middelhoff: "Halten Sie die Klappe! Halten Sie den Mund!"

Aber auch von dem früheren Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) zeigte sich der Verdi-Mann enttäuscht: "Sie tragen Schuld an der Zerstörung von Quelle."

"Keine Ahnung, keinen Plan und kein Konzept"

Der Quelle-Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg wurde von Rösch ebenfalls aufs Korn genommen: Mit den Worten "Keine Ahnung, keinen Plan und kein Konzept" beurteilte er die Leistung des Abwicklungsspezialisten.

Görg hatte vor rund zwei Wochen überraschend das Aus für den Versender bekanntgegeben, nachdem sich kein Investor gefunden hatte.

Seitdem wird dem 69-Jährigen immer wieder vorgeworfen, keinen "Plan B" für den Fall des Scheiterns von Quelle in der Tasche gehabt zu haben. So waren am vergangenen Freitag 1900 Quelle-Mitarbeiter abrupt per Telefon über ihre sofortige Entlassung informiert worden. Für den hastigen Ausverkauf werden derzeit noch etwa 4300 Beschäftigte der Primondo-Gruppe gebraucht, davon 1100 bei Quelle.

Es bestünden darüber hinaus Zweifel, ob Görg den Ausverkauf gut durchgeplant habe, so Rösch. Ein vorzeitiges Ende des Ausverkaufs könnte weitere schnelle Entlassungen nach sich ziehen.

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