Digitale KommunikationWelche Emojis man im Job nicht benutzen sollte

Lesezeit: 2 Min.

Im Internet ist es normal, auf besonders dumme Beiträge mit einem Daumen-hoch-Emoji zu reagieren.
Im Internet ist es normal, auf besonders dumme Beiträge mit einem Daumen-hoch-Emoji zu reagieren.
Imago; Bearbeitung: SZ

Die Emojis der digitalen Arbeitswelt sind etwas für die ältere Generation - und können auf die Jungen ganz anders wirken als beabsichtigt. Ist das nur Wehleidigkeit oder steckt mehr dahinter?

Von Johannes Korsche

SZ bei Google bevorzugen

Als sich 2020 alle, die es konnten, ins Home-Office flüchteten, erfasste die Allgegenwart der Emojis auch die Arbeitswelt. Trafen sich Kolleginnen und Kollegen davor in der Kaffeeküche und im Meetingraum, schickten sie sich nun Nachrichten und wählten sich in Konferenzlinks ein. Das Problem ist nur: Digitale Kommunikation ist besonders anfällig für Missverständnisse. Besonders, wenn die Generation Boomer (geboren 1946 bis 1964) mit der Generation Z (1996 bis 2010) chattet. Vor allem weil Programme wie Microsoft-Teams, der Home-Office-Kaffeeküchen-Ersatz schlechthin, oft gar nicht an die jüngere Generation denken. Denn was da auf der Emoji-Palette bereitliegt, wenn man auf eine Nachricht der Kollegen reagieren will, schafft mehr Probleme, als es löst.

Das geht so weit, dass sich einer darüber auslassen musste. Natürlich im Internet, auf der Diskussionsplattform Reddit: "Bin ich nicht alt genug, um mich mit der Daumen-hoch-Reaktion wohlzufühlen?", fragt er in das Forum. Nun könnte man das als Wehleidigkeit eines einzelnen Übersensiblen schnell wieder vergessen, aber unter dem Post türmen sich die Antworten, die das genauso sehen. Eine Nutzerin - sie sei 24 Jahre alt - erklärt zum Beispiel, dass das Daumen-hoch-Emoji auf sie "passiv-aggressiv" und "unhöflich" wirke. Schließlich sei das im Internet normal, auf besonders dumme Beiträge auf diese Weise zu reagieren. Daumen hoch - aber ironisch. Das kann zu unangenehmen Situationen führen: Ein junger Kollege macht einen Vorschlag, die ältere Chefin will ihre Zustimmung signalisieren und reckt den digitalen Daumen nach oben - das Missverständnis beginnt.

Herz- und Tränen-lach-Emojis sind bei der jungen Generation out

Allerdings lässt Teams - so ehrlich muss man sein - nicht allzu viel generationenübergreifend verständlichen Spielraum, um via Emoji einer Nachricht zuzustimmen. Das Herz-Emoji zum Beispiel ist in manchem Kontext dann doch etwas zu emotional. "Ich habe die Abrechnungen verschickt" - zack, Herz drauf. Das ist vielleicht etwas übertrieben. Und - das sei nur am Rande erwähnt - das Herz-Emoji ist bereits seit Jahren eindeutig als ein Emoji der Älteren gebrandmarkt. Genauso übrigens wie das Tränen lachende Emoji. Wer jung geblieben wirken will, dem sei stattdessen das Totenkopf-Emoji empfohlen, im Sinne von: Hab mich totgelacht. Nicht im Sinne von: Bin so alt, dass ich dem Tod nahe bin.

Was zur tieferen Erklärung des Problems führt, ist die Semiotik, also die Theorie der Zeichen. Sehr verkürzt weiß man da bereits seit mehr als hundert Jahren: Die Beziehung zwischen dem Bezeichnenden (also in diesem Falle dem Emoji selbst) und dem Bezeichneten (gewissermaßen das, was man mit dem Emoji meint) ist arbiträr (also zufällig) und zugleich konventionell (also gesellschaftlich festgelegt). Was nichts anderes bedeutet, als dass es in der Natur der Sache liegt, dass Emojis Unterschiedliches bedeuten können. Wer gelernt hat, dass so ein Daumen auf ausnehmend dumme Aussagen folgt, interpretiert diesen eben so. Nicht aus Wehleidigkeit, sondern weil es die Konventionen so vorgeben. Aber die können sich ja ändern. Emojis sind dafür das beste Beispiel: Früher waren sie und deren Vorgänger, die Emoticons, überhaupt kein Teil der Kommunikation, bis der Informatiker Scott E. Fahlman sie vor 40 Jahren erfand.

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