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Tesla:Was will Musk mit all den Bitcoins?

FILE PHOTO: SpaceX founder and chief engineer Elon Musk looks at his mobile phone during a post-launch news conference to discuss the  SpaceX Crew Dragon astronaut capsule in-flight abort test at the Kennedy Space Center

Elon Musk ist seit vielen Jahren ein wahrer Meister darin, mehr oder weniger kryptische Nachrichten zu lancieren, um seine Unternehmen im Gespräch zu halten.

(Foto: Joe Skipper/Reuters)

Tesla hat 1,5 Milliarden Dollar in Bitcoins investiert. Das treibt den Kurs der Kryptowährung auf Höchststände - und ist riskant für den Tesla-Chef.

Von Victor Gojdka, Frankfurt, und Claus Hulverscheidt

Um Elektroautos an die Frau oder den Mann zu bringen, gibt es ganz offensichtlich zwei Möglichkeiten. Variante A: Man verpflichtet einen Hollywood-Schauspieler, produziert einen aufwendigen Werbespot und bucht für viele Millionen Dollar einen Slot während des Super Bowls, dem Meisterschaftsendspiel der US-Footballliga NFL. So hat es General Motors (GM) am Sonntagabend gemacht. Oder, Variante B, man spart sich die Millionen und gibt eine kurze, einigermaßen überraschende Mitteilung heraus, wie sie der Chef des GM-Konkurrenten Tesla, Elon Musk, nur Stunden später initiierte. Das Ergebnis war eindeutig: Diskutiert wurde am Montag, dem Tag nach dem Endspiel, nicht über GM, sondern einmal mehr über den aufmüpfigen Rivalen aus Kalifornien.

Seit vielen Jahren ist Musk ein wahrer Meister darin, mehr oder weniger kryptische Nachrichten zu lancieren, um seine Unternehmen permanent im Gespräch zu halten. Diesmal lautete die Botschaft: Tesla hat 1,5 Milliarden Dollar in Bitcoins investiert und wird darüber hinaus die Kryptowährung auch als Zahlungsmittel beim Kauf von Autos akzeptieren - angeblich schon in naher Zukunft. Die Reaktion der Finanzmärkte folgte prompt: Der Kurs des Bitcoins, der noch vor zwei Jahren bei 3500 Dollar pro Stück gelegen hatte, schoss rasant nach oben und erreichte am Dienstag mit zwischenzeitlich fast 48000 Dollar den bisher höchsten Stand. Später gab er einen Teil des Zugewinns wieder ab.

Was aber will Musk mit den Bitcoins - einem Investment, das sowohl für sein Unternehmen, noch mehr aber für seine zahllosen Fans in aller Welt erhebliche Risiken birgt? Offiziell geht es Tesla darum, die liquiden Mittel, die durch die jüngste Kapitalerhöhung auf 19,4 Milliarden Dollar angewachsen sind, flexibler, breiter und lukrativer anzulegen. Dazu will das Unternehmen in neue Finanzanlagen investieren, darunter in Gold und eben Kryptowährungen. Das Problem ist: Anders als etwa der Dollar oder der Euro gelten diese als immaterielle Vermögensgegenstände. Kommt es zu einem Kursverlust, muss dieser in der Firmenbilanz umgehend abgeschrieben werden.

Noch im Dezember hatte Musk den Bitcoin als "Bockmist" bezeichnet

Wahrscheinlich spielen deshalb für Tesla neben einer neuen Anlagestrategie noch weitere Faktoren eine Rolle. So hatte Firmengründer Musk den Bitcoin zwar noch im Dezember als "Bockmist" bezeichnet, generell gilt er aber als Anhänger digitaler Zahlungsmittel, die nicht von einer offiziellen Zentralbank ausgegeben werden. Hintergrund dürfte nicht zuletzt seine generell kritische Haltung gegenüber dem Staat sein, von dem er sich permanent gegängelt fühlt. So drohte er beispielsweise während der ersten Corona-Welle in den USA der Regierung Kaliforniens damit, sich über ein Produktionsverbot für die Tesla-Fabrik in Palo Alto hinwegzusetzen. Mit der Börsenaufsicht SEC liegt er permanent im Clinch, seit diese ihm nach einer ganzen Serie von kursbewegenden Tweets einen Maulkorb verpasst hatte.

Doch Musks Twitterei macht nicht nur die Aufsichtsbehörden hellhörig, sondern elektrisiert auch Privatanleger. Viele fragen sich, ob sie nicht etwas verpassen könnten, wenn sie beim Kryptotrend an den Finanzmärkten nicht mitspielen. Doch selbst wenn Bitcoin-Sympathisanten die Digitalwährung im Netz als Kursrakete bewerben, sollten Sparer vorsichtig bleiben. "Das ist nichts für die langfristige Altersvorsorge", sagt Finanzexperte Thomas Mai von der Verbraucherzentrale Bremen.

Sicher, in einigen der vergangenen Jahre hat Bitcoin viele andere Anlagen wie Aktien, Anleihen oder Gold weit hinter sich gelassen. Dennoch existiert die Digitalwährung erst seit 2009, Sparer können nicht auf eine jahrzehntelang verlässliche Wertentwicklung zurückblicken wie beispielsweise bei Aktien. Außerdem schwankt der Preis des Bitcoin sehr stark, der Kurssprung der Anarcho-Devise nach dem Tweet von Elon Musk ist bloß ein Beispiel dafür.

"Das ist wie ein Besuch im Casino", warnen Verbraucherschützer

Ebenso schnell kann es in die andere Richtung gehen: Anfang des Jahres hatte die britische Finanzaufsicht FCA vor Kryptowährungen gewarnt, der Bitcoin verlor darauf binnen weniger Tage fast ein Viertel an Wert. "Das ist wie ein Besuch im Casino", sagt Verbraucherschützer Mai. Mehr als fünf Prozent ihres Anlagegeldes sollten Sparer daher nie auf die kryptische Devise setzen. Selbst wer nur Spielgeld setzt, könnte nach einer Glückssträhne mit der Zeit möglicherweise allzu unvorsichtig vorgehen.

Wenn Sparer unterschiedliche Handelsplätze im Netz vergleichen, sollten sie neben den Kosten vor allem die Seriosität der Portale prüfen. Oft genügt schon ein Blick ins Impressum, um unseriöse Anbieter aus zwielichtigen Ländern auszuschließen. Außerdem können Sparer erfragen, ob der Anbieter von der Finanzaufsicht eines seriösen Staates reguliert wird.

Sonst kann es ihnen schnell gehen wie ahnungslosen Verbrauchern, die sich auf eine Werbemasche im Netz einließen: Dort warb TV-Legende Thomas Gottschalk für Bitcoin. Kriminelle hatten dessen Gesicht jedoch ungefragt verwendet und bei den Sparern mitunter mehr als 100 000 Euro erbeutet.

© SZ/shs
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