Was bedeutet das, und worum geht es dabei?
Die entscheidende Frage in dieser Angelegenheit kommt von Papst Leo XIV., denn tatsächlich rätseln viele: Was bedeutet es, dass Elon Musk am Freitag Tesla-Aktien im Wert von einer Milliarde Dollar gekauft hat? Dass er diesen Zukauf und den massiven Anstieg der Tesla-Aktie nach Bekanntwerden auf mehr als 420 Dollarauf seinem Portal X als „wie in der Prophezeiung vorhergesagt“ bezeichnete? Prophezeiungen sind eigentlich Sache der Kirche. Dass seine gesamten Anteile irgendwann knapp eine Billion Dollar wert sein werden, sollte Musk als Tesla-Chef gewisse Ziele erreichen? „Ich habe gehört, dass Elon Musk der erste Billionär der Welt sein werde“, sagte der Papst der Zeitung Crux: „Was bedeutet das, und worum geht es dabei?“
Zunächst die Zahlen: Am Freitag kaufte Musk insgesamt 2,57 Millionen Tesla-Aktien in einer Preisspanne zwischen 372 und 397 Dollar pro Stück – mehr als der Wert des Tesla-Papiers im freien Handel bei Börsenbeginn betrug: 370,74 Dollar. Der Tesla-Verwaltungsrat versucht zugleich, ihn zu motivieren, sich angesichts seiner zahlreichen anderen Interessen wieder stärker auf Tesla zu konzentrieren.
Musk ist bekanntermaßen Chef der Raumfahrt-Firma SpaceX und damit des Tochterkonzerns Starlink, der unter anderem für Internetzugang in Krisen- und Kriegsgebieten sorgt und zahlreiche Verträge mit der US-Raumfahrbehörde Nasa hat. Er leitet den Künstliche-Intelligenz- Konzern xAI, dessen Chatbot Grok mit Chat-GPT von Sam Altmans Open AI konkurriert. Ihm gehört die Social-Media-Plattform X. Und er war Berater von US-Präsident Donald Trump; es kam allerdings zum Zerwürfnis.
Der Verwaltungsrat interpretierte die anderen Interessen von Musk als Hauptgrund für die Probleme von Tesla. Nach der Präsidentschaftswahl im November war der Aktienkurs auf mehr als 488 Dollar gestiegen, danach allerdings massiv gesunken bis auf 212 Dollar im Frühjahr. Grund: Der E-Auto-Bauer verkauft einfach nicht genügend Fahrzeuge. Im zweiten Quartal etwa lieferte Tesla 13,5 Prozent weniger Fahrzeuge als im Vorjahresquartal; schlimmer noch: Der Anteil auf dem US-Markt, der mal mehr als 80 Prozent betragen hatte, betrug im August nur noch 38 Prozent. Das wiegt angesichts zweier anderer Faktoren besonders schwer. Erstens: Die Zahl der insgesamt verkauften E-Autos in den USA erreichte ein Rekordhoch, auch deshalb, weil Steuervergünstigungen beim E-Auto-Kauf (7500 Dollar) in den USA Ende September auslaufen werden und zahlreiche Interessenten noch zuschlagen. Zweitens: Der chinesische E-Auto-Hersteller BYD, der Tesla als weltweit führenden Auslieferer überholt, ist auf dem US-Markt gar nicht präsent.

Nur: Musk sieht Tesla nicht mehr als E-Auto-Verkäufer, sondern als Robotik- und Autonomes-Fahren-Konzern. Um diesen Strategie-Wechsel voranzutreiben, argumentiert er seit Monaten, brauche er die Anteile, das tun zu können. „Ich finde es ein bisschen komisch, dass wir über Dollar reden, wo es um stimmberechtigte Anteile geht“, sagte Robyn Denholm, Vorsitzende des Tesla-Verwaltungsrates (board of directors) der New York Times. Dieses Direktorium soll das Management überwachen. Stimmt schon: Die Summen und die daraus resultierenden Schlagzeilen – Musk kauft Tesla-Aktien für eine Milliarde Dollar, er selbst könnte in absehbarer Zeit eine Billion Dollar schwer sein – sind das große Gesprächsthema; und nicht Musks Versuch, an ein Viertel der stimmberechtigten Aktien zu kommen statt wie bisher nur zwölf Prozent zu halten.
Bereits im Januar 2024 schrieb Musk auf X: „Ich fühle mich nicht wohl dabei, Tesla zu einem führenden Konzern in den Bereichen KI und Robotik auszubauen, ohne über 25 Prozent der Stimmrechte zu verfügen.“ Über die zwölf Prozent, die er bis Freitag besaß: „Genug, um einflussreich zu sein, aber nicht genug, nicht überstimmt oder gestürzt werden zu können.“ Was er also wirklich will: das Sagen bei Tesla ohne Widerhall; seine Drohung schon vor eindreiviertel Jahren: „Wenn das nicht der Fall ist, würde ich lieber Produkte außerhalb von Tesla bauen.“
Die Vision von Musk, wie er es nennt: „nachhaltiger Überfluss“. Tesla soll nicht nur E-Autos produzieren, die durch autonomes Fahren zu Robotaxis werden, sondern vor allem Roboter, die zu Helfern des Menschen im Alltag werden und zu Produzenten in Fabriken. „Es geht darum, Technologie zu nutzen, um eine Welt zu schaffen, in der Waren und Dienstleistungen im Überfluss produziert werden“, sagte Denholm am Freitag. Ein Schlaraffenland, in der gegenwärtigen Welt voller Hunger und Not freilich schwer vorstellbar. Genau das aber treibe einen wie Musk an, sagte Denholm: „Dinge zu tun, die niemand davor getan hat.“
Dementsprechend seien die zu erreichenden Ziele gesetzt. Beispiel E-Autos: Bis 2035 muss Tesla pro Jahr im Schnitt 1,2 Millionen Autos verkaufen. Ein Witz; im vergangenen Jahr waren es bereits 1,8 Millionen. Die anderen Meilensteine: eine Million Robotaxis und eine Million Roboter ausliefern; den Gewinn vervierundzwanzigfachen und den Aktienwert von Tesla ums Achtfache auf 8,5 Billionen Dollar steigern. „Er kriegt nichts, wenn er die Ziele nicht erreicht“, sagt Denholm. In pucto Geld mag das richtig sein – doch sprach die Managerin nicht explizit darüber, dass es nicht um Geld gehe?
Also noch einmal: Was bedeutet das, und worum geht es dabei?
Antwort: Ja, natürlich geht es auch ums Geld; der Kaufpreis ist für Musk aber ein Witz angesichts dessen, dass der Wert der Tesla-Aktie nach Benachrichtigung der Börsenaufsicht am Montag gestiegen ist – und zwar so sehr, dass das Vermögen von Musk um 8,5 Milliarden Dollar gewachsen ist. Er könnte also wirklich der erste Billionär der Geschichte werden. Was es aber tatsächlich bedeutet: Durch das Gesamtpaket, über das Tesla-Aktionäre im November abstimmen werden, bekommt Musk bei Tesla die Macht, die er wollte: In puncto künstlicher Intelligenz und Robotik eine Welt zu erschaffen, wie er sie sich vorstellt.
Anmerkung der Redaktion: Wir haben Zahlen zu Musks Aktienkauf und seinem Gehalts- und Anteilspaket korrigiert, die in der ersten Version widersprüchlich waren.
