Elon Musk Der Milliardenmann

Tesla-Gründer Elon Musk hat ein Händchen fürs Geschäft - aber auch für Subventionen.

Von Jürgen Schmieder, Los Angeles

Es gab einen Witz auf dieser Veranstaltung, über den sich die Besucher auch beim zehnten Vortrag noch köstlich amüsierten. Sie hatten ihr Auto nicht selbst parken müssen, sondern es am Eingang einem der freundlichen Mitarbeiter überlassen. Der Witz begann mit einer Frage: "Wie soll ich denn meinen Wagen jemals wiederfinden?" Und er endete sogleich mit der Anschlussfrage: "Soll ich sagen, dass meiner der Schwarze ist?" Herzliches Gelächter ob dieser prächtigen Pointe - schließlich waren alle mit einem Elektroauto der Marke Tesla zur Fabrik im Süden von Los Angeles gekommen. Dort präsentierte ihnen Firmengründer Elon Musk bei Champagner und Häppchen eine Batterie für Daheim.

Es hat durchaus Vorteile, eines der schicken Fahrzeuge zu besitzen. Ein Abend mit kleinen Insiderwitzen, gegenseitigem Schulterklopfen und vielleicht sogar einem Händeschütteln mit Musk ist damit gesichert, mit diesem verrückten Visionär, der bisweilen derart abgehoben daherkommt, dass er kürzlich twitterte: "Das Gerücht, dass ich nur deshalb ein Raumschiff baue, um zu meinem Heimatplaneten zurückzukehren, ist nicht wahr." Hach, noch so ein Spaß. Ist es nicht wunderbar, so ein Fahrzeug zu besitzen und dadurch auch mit dieser Galionsfigur des Silicon Valley verbunden zu sein?

Was ebenfalls wunderbar ist, zumindest für alle Tesla-Käufer in Kalifornien: der 2500-Dollar-Rabatt durch den Bundesstaat und die 7500 Dollar, die bei der Einkommensteuer geltend gemacht werden können. Das sind zwei der vielen Deals, die Musk für seine Firmen Tesla, SpaceX und Solar City ausgehandelt hat. Schließlich ist es für Politiker durchaus karrierefördernd, auf Fotos mit Elon gesehen zu werden und seinem Bundesstaat Arbeitsplätze in der zukunftsträchtigen Technologiebranche zu beschaffen.

Reporter der Los Angeles Times haben vor kurzem alle Förderungen, Steuerbefreiungen und Zuschüsse für Musks Unternehmen unter die Lupe genommen. Das Ergebnis: Die Staatshilfen summieren sich bislang auf eine Summe von 4,9 Milliarden Dollar. Nicht eingerechnet sind die Aufträge im Wert von 5,5 Milliarden Dollar, die Musks Raketenfirma SpaceX von Nasa und Air Force bekommen hat.

Musk ist ein Politikerflüsterer. Er ist nicht nur verrückt genug zu denken, dass er die Welt retten oder bei Misserfolg zumindest auf einen anderen Planeten übersiedeln kann, er ist auch ein Meister in der Kunst, Menschen für seine Ideen zu begeistern. Tesla, SpaceX oder die Solaranlagenfirma Solar City sind nämlich nicht wegen ihrer fetten Gewinne so hoch an der Börse bewertet, denn von Gewinnen kann keine Rede sein: Tesla erwirtschaftete 2014 einen Verlust von knapp 300 Millionen Dollar, SpaceX ein Minus von 56 Millionen. Was die Anleger bewegt, ist das Versprechen einer glänzenden Zukunft, das vom Chef höchstselbst immer wieder erneuert wird. Kürzlich verkündete Musk, dass Tesla in zehn Jahren 700 Milliarden Dollar wert sein würde.

"Wenn man all die Subventionen für Tesla und Solar City zusammenrechnet, dann ist das ein Tausendstel von dem, was die Öl- und Gasindustrie jedes Jahr bekommt", sagte Musk in einem Interview mit dem Fernsehsender CNBC. Die Summe von 4,9 Milliarden Dollar stritt er dabei nicht ab. Er stellte jedoch klar, dass seine Firmen "nicht einfach einen riesigen Scheck bekommen" würden und die Zuschüsse auch nicht unbedingt zur Finanzierung benötigt würden: "Die 1,3 Milliarden, die Nevada möglicherweise Tesla zukommen lassen wird, sind über einen Zeitraum von 20 Jahren verteilt."

Diese Batteriefabrik in Reno, von Musk im üblichen Größenwahn "Gigafactory" getauft, verdeutlicht sehr gut, wie es dem Unternehmer gelingt, sich öffentliches Geld für seine Investitionen zu sichern. Es waren zähe Verhandlungen um die Ansiedlung, immer wieder drohte Tesla, einen anderen Standort in einem anderen Staat zu wählen - die Firma begann sogar mit der Erschließung von Grundstücken in Texas und Arizona. Am Ende schnürte Nevadas Gouverneur Brian Sandoval ein Paket von knapp 1,3 Milliarden Dollar, über das er sagte: "Dieser Deal wird Nevada für immer verändern." Nun, das Orakel von Delphi hat Krösus einst auch vorausgesagt, dass er ein großes Reich zerstören würde - es war dann sein eigenes.

Ladestation von Tesla.

(Foto: Imago)

"Damit die Fabrik von diesen wirtschaftlichen Anreizen profitiert, müssen wir einen Output von fünf Milliarden Dollar pro Jahr liefern", verteidigte Musk jetzt das Subventionspaket, das schließlich auch an zahlreiche Bedingungen für Tesla geknüpft sei. Durch die Batteriefabrik würden etwa 6500 Arbeitsplätze geschaffen: "Dabei sind noch nicht einmal Lehrer, Bauarbeiter, Elektriker und Klempner eingerechnet."

Nevadas Gouverneur Sandoval rechnet über den Multiplikatoreffekt sogar mit bis zu 22 000 Jobs - eine Zahl, die Kritiker anzweifeln und deshalb dem Gouverneur vorwerfen, sich gewaltig verzockt zu haben. "Firmen sind beweglich und haben deshalb einen Informationsvorsprung gegenüber unbeweglichen Regierungen", sagt etwa Kenneth Thomas von der University of Missouri, einer der führenden Experten für Steuervergünstigungen: "Sie wissen, dass die Wahl des Standorts einer Fabrik eine lukrative Gelegenheit ist, möglichst viel aus unbeweglichen Regierungen herauszuholen."

Nevada ist nicht der einzige Bundesstaat, der sehr viel Geld für Elon Musks Glanz bezahlt. New York etwa errichtet in Buffalo für 750 Millionen Dollar eine Solar-Panel-Fabrik, die Solar City danach für einen Dollar pro Jahr mieten wird. Und als Zugabe werden dem Unternehmen auch noch für ein Jahrzehnt die Steuern erlassen. Kalifornien fördert und begünstigt Tesla mit 781 Millionen Dollar, Texas hilft SpaceX beim Bau einer Raketenstart-Plattform mit etwa 20 Millionen. Was bei den Genehmigungen stets betont wird: Wie positiv sich das alles auf den jeweiligen Bundesstaat auswirkt. "Ich freue mich darauf, Nevadas Comeback fortzuführen", sagte etwa Sandoval. Natürlich wurde der Gouverneur, der in die Zukunft investierte, im vergangenen November mit 70 Prozent der Stimmen im Amt bestätigt.

"Die Zuschüsse sind Katalysatoren", sagt Musk. Nicht wenige Experten merken an, dass es zwar klug sei, sich öffentliches Geld zu sichern, eine Firma müsse sich aber langfristig selbst tragen.

Die Menschen an diesem Abend in Los Angeles, sie glauben daran, dass Musk die Welt tatsächlich verändern kann. Als er die Fabrik in der Nähe von Reno schnell mal umtauft in "Gigafactory 1" und verkündet, für den Bau von Batterien "viele weitere dieser Fabriken" errichten zu wollen, da fragt niemand nach öffentlichen Geldern, die Musk dafür einsammeln wird. Sie jubeln ihm zu.