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Elektromobilität:Tesla zeigt: Es ist möglich, in kurzer Zeit ein leistungsfähiges Ladenetz aufzubauen

Inzwischen gibt es Geld des Staates, damit die Dichte der Steckdosen höher wird, die teilweise mehr als 100 000 Euro kosten, wenn sie sich zum schnellen Laden von Autos eignen sollen. Unter anderem hat die Bundesregierung in diesem Jahr 300 Millionen Euro Fördergeld ausgeschrieben. Aus dem Topf können sich Firmen oder Kommunen bedienen - 15 000 Ladesäulen sollen damit entstehen. In drei Jahren soll das umständliche Suchen ein Ende haben, so das Ziel. Das sei alles zu langsam, sagt Sigl. Die staatlichen Investitionen in den Niederlanden oder in Norwegen für E-Mobilität seien viel höher: "Im Verhältnis zum Anspruch der Deutschen auf die Technologie-Führerschaft ist das ein Witz."

Zwar habe das Förderprogramm etwas in Bewegung gebracht. Aber neben der geringen Förderhöhe sei auch die Technik unzureichend: Sigl fordert ein mitdenkendes System, damit auch die oft befürchteten Stromnetz-Probleme in Ladespitzenzeiten in den Griff zu bekommen seien. Zudem gebe es weiterhin ein Durcheinander bei den Bezahlmethoden.

Dass sich in kurzer Zeit ein leistungsfähiges und weitverzweigtes Ladenetz aufbauen lässt, hat US-Hersteller Tesla gezeigt. An allen Autobahnen Europas stehen die sogenannten "Supercharger", die die Luxus-Autos aus Kalifornien mit Strom versorgen. Das Netz wurde sogar ohne einen einzigen Euro Subvention aus dem Boden gestampft. An dieser Stelle betonen die deutschen Konkurrenten gerne, dass Tesla ja bis heute tiefrote Zahlen schreibe.

Die deutschen Hersteller diskutieren viel - aber haben noch keine Schnelllader gebaut

Mittlerweile lästern die Manager bei Audi, BMW, Daimler oder Porsche aber nicht mehr nur über Tesla - sie versuchen nachzuziehen. Gemeinsam mit Ford haben sie nach einer unerwartet langen Wartephase nun tatsächlich eine gemeinsame Firma gegründet: Die European High Power Charging GmbH und Co. KG mit Sitz im Münchner Norden soll bis zum Jahr 2020 ein Netz mit besonders leistungsfähigen Ladesäulen über Europa legen. Vorgesehen sind 400 Schnell-Tankstellen im Abstand von etwa 130 Kilometern, die jeweils mehrere Steckdosen anbieten.

Noch in diesem Jahr soll das Joint Venture einen griffigeren Markennamen bekommen und vor allem die ersten Bauaufträge vergeben - geführt wird es aller Voraussicht nach von zwei Managern, einem vom BMW und einem von Porsche. Verhandlungen mit Grundstück-Eigentümern laufen und auch ein Förderantrag beim Bund ist gestellt. Zudem wollen Audi, BMW, Renault und die Siemens-Tochter Smatrics derzeit auf der Strecke von Amsterdam bis Wien zwei Dutzend solcher "Ultraschnell-Ladestationen" aufbauen, unterstützt durch das EU-Förderprogramm "Ultra-E".

Als Hersteller der Schnellladesäulen käme etwa die Schweizer ABB in Frage oder auch Porsche. Der Sportwagenhersteller hat gerade auf einer Messe ein schickes schwarzes, mannshohes Gerät präsentiert. Es soll auch Fahrer in großer Eile zufriedenstellen - und für Porsche ein neues Geschäftsfeld erschließen.

Allerdings: Solingen oder München werden von diesen Projekten nicht profitieren. Die Autohersteller wollen eben das Fernstraßennetz elektrifizieren. Stromrouten durch die Wüste ermöglichen, gewissermaßen.

© SZ vom 13.10.2017/mahu
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