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Elektroautos:Leichter laden

Besitzer von E-Autos haben es in Deutschland bislang schwer. Das will die Regierung ändern - und vor allem die Wirtschaft stärker in die Pflicht nehmen

Zugeparkte Ladesäulen in Großstädten, kaum Chancen, auf dem Land schnell an Strom zu kommen, und dann auch noch Probleme beim Bezahlvorgang: Besitzer von E-Autos klagen in Deutschland über massive Alltagsprobleme. Dabei ruhen gerade auf den Elektroautos gewaltige Hoffnungen für mehr Klimaschutz und die Zukunft der Autobranche: Zehn Millionen davon sollen bereits 2030 über Deutschlands Straßen rollen. Noch sind es aber gerade mal 220 000.

Die Bundesregierung ist deshalb ernüchtert. Vor allem der Ausbau öffentlicher Ladepunkte verläuft nach interner Einschätzung der Regierung deutlich langsamer als erwartet. Auf dem Autogipfel am Montagabend stellte die Regierung deshalb einen "Masterplan Ladeinfrastruktur" vor, dessen abgestimmter Entwurf der Süddeutschen Zeitung vorab vorlag. Das 14-seitige Papier macht klar, dass die Politik in den nächsten Jahren die Wirtschaft stärker in die Pflicht nimmt und neue Auflagen plant. Wo die nötige Versorgung mit Lademöglichkeiten nicht erfolge, "würden auch ordnungsrechtliche Maßnahmen erwogen", heißt es in dem Papier. "Der Aufbau von Ladeinfrastruktur muss langfristig eine Aufgabe der Wirtschaft sein", macht der Bund klar.

Am Montagabend wurde der Plan der Branche präsentiert, als sich im Kanzleramt Politik und Unternehmen zu einem weiteren Autogipfel mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) trafen. Eingeladen waren die Chefs der großen Autokonzerne BMW, Daimler und VW, die Koalitionsspitzen und die wichtigsten Ministerpräsidenten der Autoländer Baden-Württemberg und Niedersachsen. Auch die IG Metall und der Lobbyverband VDA redeten mit.

Die Kaufprämie für Elektroautos soll um die Hälfte steigen und bis Ende 2025 verlängert werden

Dass sich beim Umbau noch immer wenig tut, sieht die Politik längst ziemlich kritisch. "Damit Deutschland auch weiterhin führende Automobilnation bleibt, müssen Politik und Industrie Hand in Hand an der schnellen Verbreitung von Elektrofahrzeugen arbeiten", so das Papier. So soll nach Angaben aus Regierungskreisen die Kaufprämie für Elektroautos um die Hälfte steigen und bis Ende 2025 gelten, um für mehr Fahrzeuge auf den Straßen zu sorgen. Bei rein elektrischen Autos unter einem Kaufpreis von 40 000 Euro soll sie auf 6000 Euro angehoben werden. Für sogenannte Plug-In-Hybride soll sie in dieser Preisklasse auf 4500 von 3000 Euro steigen. Käufer von Autos, die mehr als 40 000 kosten, sollen 5000 beziehungsweise 4000 Euro Zuschuss erhalten. Aber gilt dies nur, wenn die Industrie auch mitmacht - sie soll die Hälfte übernehmen. Der Deutschen Presse-Agentur zufolge haben die Autokonzerne eine entsprechende Zusage gemacht.

Diskussionen dürfte es auch um die Pläne beim Ladenetz geben. Derzeit gibt es in Deutschland etwa 21 000 öffentlich zugängliche Ladepunkte. Die reichen zwar heute noch aus, nicht aber für den geplanten Zuwachs. Bis 2030 soll es laut dem Anfang Oktober verabschiedeten Klimaschutzprogramm eine Million öffentliche Ladepunkte geben. Wie das klappen soll, war bislang weitgehend unklar. Dem "Masterplan" zufolge verpflichtet sich die Autobranche selbst dazu, mindestens 15 000 Ladepunkte auf ihren Betriebsgeländen und dem angeschlossenen Handel zu errichten. Darüber hinaus werde bis 2030 die Errichtung von 100 000 weiteren Ladepunkten angestrebt. Auch die bundesweit 14 500 Tankstellen will die Bundesregierung in Deutschland dazu verpflichten, Lademöglichkeiten anzubieten - angetrieben durch neue Auflagen. Bis Ende des Jahres soll eine Nationale Leitstelle gegründet werden, die die Maßnahmen koordiniert.

Opposition und Umweltschützer sehen im "Masterplan" keine Lösung. "Mehr Ladesäulen bringen E-Mobilität und Klimaschutz nur voran, wenn sie von klaren politischen Vorgaben für klimafreundliche Mobilität flankiert werden", warnt Greenpeace-Verkehrsexperte Benjamin Stephan. Das Papier stecke der Regierung voller Aufforderungen an andere, etwas zu tun, sagt der Grünen-Verkehrspolitiker Oliver Krischer.

© SZ vom 05.11.2019

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