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Elektroautobauer:Byton nimmt sich Auszeit

Eine Fahrzeug-Studie von Byton auf der Consumer Electronics Show in Las Vegas.

(Foto: Jae C. Hong/AP)

Der chinesische E-Autobauer muss sich in der Krise neu organisieren.

Von Christoph Giesen, Peking

Der chinesische Elektroautobauer Byton stellt den Betrieb vorübergehend ein. "Die neue Coronavirus-Pandemie hat die Finanzierung und den Produktionsbetrieb von Byton vor große Herausforderungen gestellt", erklärte das Unternehmen, zu dessen Investoren der staatliche Autohersteller FAW und der Batterieproduzent CATL gehören. Man habe sich nach Abstimmung mit den Aktionären entschlossen, einen Plan zur Senkung der Personalkosten und zur strategischen Neuorganisation auf den Weg zu bringen, heißt es in einer Mitteilung des Unternehmens. Bereits im April hatte Byton Hunderte Mitarbeiter in Santa Clara im US-Bundesstaat Kalifornien in Zwangsurlaub geschickt, nun sind auch die etwa 1000 Mitarbeiter in China betroffen. Die Angestellten in Deutschland befinden sich in Kurzarbeit.

Unter Druck geraten ist Byton bereits vor der Pandemie, nachdem die chinesische Regierung damit begonnen hatte, die Subventionen für Elektrofahrzeuge zu reduzieren. Zudem konnte der amerikanische Wettbewerber Tesla nach dem Bau einer Fabrik in Shanghai Marktanteile gewinnen.

Dabei war Byton als Tesla-Herausforderer gegründet worden. Das Ziel: In dem mit Abstand größten Elektroautomarkt der Welt sollte, zum Teil auch mit staatlicher Unterstützung, eine eigene Elektroautoindustrie aufgebaut werden. Dem Start-up aus Nanjing wurde als einem der wenigen zugetraut, auch außerhalb der Volksrepublik Fuß fassen zu können.

Als Gründungschef engagierten die chinesischen Investoren den ehemaligen BMW-Manager Carsten Breitfeld, der für den Münchner Konzern zuvor den Sportwagen i8 entwickelt hatte. Der ursprüngliche Plan sah vor, bis 2019 ein Elektroauto auf den Markt zu bringen, das zudem in der Lage sein sollte, autonom zu fahren. "Wir wollen das Smartphone sein in einer Nokia-Welt", erklärte Breitfeld 2017 im SZ-Interview. Kurz vor der Shanghaier Automesse schied er im Frühjahr 2019 jedoch überraschend aus dem Unternehmen aus. Der ebenfalls aus Deutschland stammende Manager Daniel Kirchert übernahm den Vorstandsvorsitz und warb auf Automessen etwa bei der IAA in Frankfurt vergangenes Jahr für den Elektro-SUV M-Byte, der 2021 auch in Europa auf den Markt kommen sollte. Wann und ob das Auto überhaupt noch gebaut wird, scheint nun jedoch völlig offen.

© SZ vom 02.07.2020
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