Elektro-Discounter Wer bei Media-Saturn für die guten Zahlen sorgt

Leopold Stiefel verschafft der Metro mit Saturn und Media-Markt glänzende Ergebnisse. Nebenbei organisiert er legendäre Weihnachtsfeiern und sponsort die Ingolstädter Panther.

Von Von Uwe Ritzer

Seine Weihnachtsfeiern sind Legende. Wenn Leopold Stiefel die 2000 Mitarbeiter am Firmensitz Ingolstadt einlädt, dann sind nicht Plätzchen- und Besinnlichkeit angesagt.

Die Saturn-Kette gehört seit Anfang der neunziger Jahre zum Konzern.

(Foto: Foto: dpa)

Gesungen wird allerdings. Zum Beispiel Stücke von Xavier Naidoo und den Söhnen Mannheims, von Peter Maffay, Udo Lindenberg, DJ Ötzi oder den Scorpions. Zwischendrin moderiert Tagesschausprecher Jens Riewa.

Es heißt, dass selbst solche Künstler schon aufgetreten seien, die Firmenfeiern sonst meiden. Doch welcher Sänger kann sich schon entziehen, wenn der größte Tonträgerverkäufer Europas um einen kleinen Gefallen bittet?

Sprunghaftes Wachstum

Leopold Stiefel ist Gesellschafter und oberster Geschäftsführer des größten europäischen und weltweit zweitgrößten Elektronik-Handelskonzerns, der Media-Saturn-Holding GmbH. Unter deren Dach firmieren 500 Saturn- und Media-Märkte in elf Ländern Europas mit 33.000 Vollzeitstellen.

Während die Branche insgesamt leidet, wächst Stiefels Gruppe sprunghaft. 69 neue Märkte wurden 2004 eröffnet; 2005 werden weitere 65 hinzukommen. Den Umsatz hat Saturn-Media 2004 um 15,4 Prozent auf 12,2 Milliarden Euro gesteigert, derweil der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) um über ein Viertel auf 451,2 Millionen Euro hochschnellte.

Dass die Mutter Metro AG diese Woche für ihr abgelaufenes Geschäftsjahr überhaupt Zuwächse vermelden konnte, hat sie wesentlich ihrer Ingolstädter Tochter zu verdanken.

"Angebot wie bei einer Messe"

Einem Elektrohandelsimperium, das Leopold Stiefel weitgehend selbst aufgebaut hat. Mitten in den Wirren der letzten Kriegswochen kam er vor 60 Jahren in Österreich zur Welt. Die Familie war auf der Flucht aus Jugoslawien. Man landete in Ingolstadt, wo der Vater als Hilfsarbeiter anfing. Der Sohn besuchte die Volksschule - für mehr fehlte das Geld.

Danach begann er eine Lehre als Einzelhandelskaufmann. Stiefel landete im Elektrohandel von Erich Kellerhals. Gemeinsam bastelten sie ein Konzept für den Elektroladen der Zukunft: Große Verkaufsfläche und Dauerniedrigpreise. Verkäufer, die dem Kunden nicht Geräte einer bestimmten Marke aufschwatzen, sondern nur bei Bedarf beraten. Und ein Sortiment aus möglichst vielen Markengeräten aller Sparten. "Wir wollten ein Angebot wie bei einer Messe, aus dem der Kunde frei wählen sollte", sagt Stiefel.