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Einzelhandel in Deutschland:Umsatz sinkt trotz Mehrwertsteuersenkung

Mehrwertsteuer wird gesenkt

Die Mehrwertsteuersenkung hat einen neuen Preiskampf im Lebensmittelhandel ausgelöst.

(Foto: dpa)

Der Juli war der erste Monat mit reduzierter Mehrwertsteuer. Nun zeigen die Zahlen: Der erhoffte Umsatzschub bei den Einzelhandelsunternehmen ist ausgeblieben.

Die Senkung der Mehrwertsteuer hat den deutschen Einzelhändlern im Juli keinen Umsatzschub verliehen. Sie nahmen 0,9 Prozent weniger ein als im Vormonat, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch mitteilte. Von Reuters befragte Ökonomen hatten hier aber mit einem Wachstum von 0,5 Prozent gerechnet.

Im Vergleich zum Juli 2019 stieg der Umsatz demnach real um 4,2 Prozent und nominal um 5,6 Prozent. Im Vergleich zum Februar 2020, dem Monat vor Beginn der pandemiebedingten Einschränkungen in Deutschland, war der Umsatz im Juli 2020 kalender- und saisonbereinigt real um 0,9 Prozent höher.

Die Bundesregierung hat die Mehrwertsteuer ab Juli bis zum Jahresende 2020 von 19 auf 16 Prozent gesenkt. Das soll dafür sorgen, dass die Preise sinken und die Deutschen mehr einkaufen, um die von der Corona-Pandemie geschwächte Wirtschaft anzuschieben. Dem Staat entgehen dadurch schätzungsweise 20 Milliarden Euro Steuereinnahmen.

Ökonomen streiten darüber, wie wirksam die Mehrwertsteuersenkung tatsächlich ist. Eine Studie des IMK-Instituts der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung kommt zu dem Schluss, dass die zeitweilige Steuererleichterung kaum für mehr Konsum sorgen wird. "Eine andere Gewichtung der Maßnahmen im Konjunkturpaket - etwa ein höherer Kinderbonus oder eine großzügigere Aufstockung des Kurzarbeitergeldes - hätte nach diesen Ergebnissen zu einem größeren konjunkturellen Impuls geführt", lautet das Fazit der Forscher. Eine Analyse des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) hingegen kommt zu einem anderen Schluss: Demnach waren zuletzt 1,7 Millionen Menschen wegen der Steuererleichterung shoppen. "Die Mehrwertsteuersenkung wirkt und hilft vor allem dem Einzelhandel dabei, die Krise zu überwinden", sagte IW-Direktor Michael Hüther.

Viele Experten weisen aber auch darauf hin, dass die tatsächliche Wirkung erst mittelfristig gut bewertet werden kann - auch, weil dann das Weihnachtsgeschäft gelaufen ist und die Deutschen erst dann alle größeren Anschaffungen getätigt haben werden, bei denen sie noch von günstigeren Preisen profitieren wollten.

© SZ/Reuters/vd/odg

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