Nach Corona:Die Nase kauft mit

Corona-Fragen

Eine Frage, eine Antwort: Gehen die Menschen wirklich wieder in die Geschäfte?

Von Michael Kläsgen

Die Furcht der einen ist manchmal die Hoffnung der anderen. Dass die Menschen wieder zahlreich in die Läden strömen, die monatelang wegen der Pandemie geschlossen waren, und dann dort auch etwas kaufen, ist natürlich die sehnlichste Hoffnung vieler Händler, die einen stationären Laden betreiben, von der Modeboutique bis zum Kaufhaus. Aber ob das so kommen wird? Es liegen zwar erste Erhebungen vor, aber trotzdem vermag es im Moment keiner genau zu sagen. Auch weil all jene, die in den vergangenen Monaten Geld mit dem Online-Verkauf von Bekleidung, Möbeln oder Waschmaschinen verdient haben, verständlicherweise ihr Möglichstes tun, ihre Kunden bei sich und fern vom stationären Handel zu halten. Ihre Angebote werden zielgerichteter und passgenauer.

Und doch dürfen stationäre Händler auf bessere Zeiten hoffen, wenn man einer internationalen Umfrage des Marktforschungsinstituts Yougov glaubt, die wohlgemerkt online durchgeführt wurde. Mehr als 19 000 Personen in 17 Ländern Europas, Asiens und Amerikas beteiligten sich im Januar und Februar dieses Jahres daran. Das Ergebnis: Viele sehen weiterhin gute Gründe für den Einkauf im stationären Laden. In Deutschland legten sogar überdurchschnittlich viele Befragte Wert darauf, die Ware anfassen, riechen oder anprobieren zu können. Einige sagten zudem, sie schätzten den Einkauf im Laden, weil es schneller gehe und man in der Regel genau wisse, was man gekauft habe. Zahlen belegen den Trend zum stationären Einkauf.

Coronavirus - Sachsen

Das schöne Wetter lockt viele in die City. Aber kaufen die Leute auch?

(Foto: Sebastian Kahnert/dpa)

Die Kundenfrequenz in den Läden stieg sofort nach dem Ende des Lockdowns, die Umsätze auch. Viele Menschen waren froh, endlich wieder bummeln gehen zu können. Es war eine willkommene Abwechslung nach Monaten der Entbehrungen. Offen bleibt, ob viele womöglich nur das nachholten, was ihnen lange verwehrt war? Oder ob sie dauerhaft auf ihr Vor-Corona-Einkaufsverhalten umgeschaltet haben?

Das Verbraucherbarometer des Deutschen Handelsverbandes gibt darauf keine klare Antwort. Zwar hellte die Stimmung der Verbraucher zuletzt deutlich auf. Doch faktisch liegen die zwar insgesamt gestiegenen Umsätze vielerorts immer noch teils weit unter dem Niveau vor der Krise. Das kann vielerlei Ursachen haben: weiter anhaltende und begründete Vorsicht der Menschen vor dem Virus; die weiterhin geltende Pflicht, Maske in den Geschäften zu tragen, was die Lust am Shoppen bremsen soll. Oder eben doch die möglicherweise schon einstudierte Gewohnheit, online einzukaufen.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB