Einzelhandel Schlechte Noten bei Menschenrechten für Aldi & Co

Frage im Supermarkt: Werden die Lieferanten fair bezahlt?

(Foto: Gero Breloer/dpa)
  • Die Hilfsorganisation Oxfam bescheinigt deutschen Supermarktketten große Defizite bei der Bekämpfung von Menschenrechtsverletzungen in ihren Lieferketten.
  • Die Frage der Menschenrechte kann den Unternehmen eigentlich nicht egal sein. Sie sind laut den UN-Leitprinzipien zur Sorgfalt verpflichtet.
  • Um die konkrete Umsetzung kümmern sich die nationalen Regierungen. In Deutschland sind die Auflagen für die Firmen vergleichsweise gering.
Von Caspar Dohmen, Berlin

In Sachen Menschenrechte haben die deutschen Supermarktketten offenbar Nachholbedarf. Die Hilfsorganisation Oxfam bescheinigt Lidl, Aldi, Edeka und Rewe große Defizite bei den Anstrengungen, Menschenrechtsverletzungen in ihren Lieferketten aufzuspüren, öffentlich zu machen und Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Oxfam hat 16 international tätige Supermarktketten untersucht. Vier Kategorien nahmen die Tester unter die Lupe: Transparenz und Rechenschaftspflicht, Arbeiter, Kleinbauern und Frauen. Gut schneidet keine der Ketten ab, aber es gibt erhebliche Unterschiede.

Am besten bewertet Oxfam die britischen Supermarktketten Tesco und Sainsbury. Sie kommen etwa in der Kategorie Arbeiter auf 42 Prozent und 38 Prozent der möglichen Punkte. Aldi, Edeka und Rewe dagegen auf null, Lidl auf zwei Prozent. Keine der deutschen Ketten erzielte in irgendeinem Bereich mehr als acht Prozent der Punkte. Selbst der häufig gescholtene US-Konkurrent Walmart schneidet teils deutlich besser ab. Menschenrechte seien in der Geschäftspolitik der deutschen Einzelhändler "nur eine Fußnote", sagt Barbara Sennholz-Weinhardt, Oxfam-Expertin für Wirtschaft und Globalisierung.

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Oxfam ist ein internationaler Verbund verschiedener Hilfs- und Entwicklungsorganisationen. Ein Hauptziel ist es, für Menschen in armen Ländern nachhaltige und sichere Existenzgrundlagen zu erreichen, etwa durch die angemessene Entlohnung von Kleinbauern und Arbeitern, die Nahrung und Waren für den Export herstellen. Dabei spielen die internationalen Supermarktketten eine wichtige Rolle. Deren Marktmacht ist gestiegen. Vier große Ketten teilen sich heute in Deutschland 85 Prozent des Marktes. Die Einzelhändler agieren auch immer internationaler: Walmart betreibt Filialen in 29 Ländern, Lidl in 27 und Südafrikas Shoprite in 15 Ländern.

Die französische Organisation Basic hat für Oxfam nun untersucht, wie sich der Ladenpreis auf Ketten, Händler sowie Kleinbauern und Arbeiter verteilt. Berücksichtigt wurden zwölf landwirtschaftliche Produkte, etwa Tomaten aus Marokko, Thunfisch aus Thailand oder Weintrauben aus Südafrika. Deutsche Supermarktketten erhalten demnach bei einzelnen Produkten mehr als die Hälfte des Verkaufspreises, verglichen mit dem Zeitraum 1996 bis 1998 ist das ein Plus von mehr als acht Prozentpunkten. Leicht gestiegen ist seitdem der Anteil der Kleinbauern und Arbeiter auf 7,1 Prozent. Die Entlohnung liege aber häufig unter dem Existenzminimum, heißt es bei Oxfam.

Die Frage der Menschenrechte kann den Unternehmen nicht mehr egal sein. Sie sind laut den UN-Leitprinzipien zu menschenrechtlicher Sorgfalt verpflichtet. Was das konkret bedeutet, legen jeweils die nationalen Regierungen fest. Die Bundesregierung setzt auf freiwillige Untersuchungen und entsprechende Berichte der Unternehmen. Andere Länder sind strenger, etwa Großbritannien mit seinem Modern-Slavery-Act. Unternehmen müssen dort Auskunft darüber erteilen, wie sie Risiken von Menschenhandel und Sklaverei minimieren. Das zeige eine gewisse Wirkung, sagt Sennholz-Weinhardt. Als Beleg dafür sieht sie auch das vergleichsweise bessere Testergebnis der britischen Tochter von Lidl im Verhältnis zur Mutter. Alle Supermärkte bekamen laut Oxfam die Ergebnisse der Studie frühzeitig vor Veröffentlichung. Korrekturwünsche habe es von den deutschen Ketten keine gegeben, heißt es.

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