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Karstadt Sports

Eine Filiale von Karstadt Sports in Dortmund. Die Warenhauskette Galeria Karstadt Kaufhof will 20 der 30 Niederlassungen schließen.

(Foto: dpa)

Nach der Hiobsbotschaft von Galeria Karstadt Kaufhof stehen auch 20 Sports-Filialen vor der Schließung. Die Gewerkschaft will das verhindern.

Von Caspar Busse

Die Krise bei Galeria Karstadt Kaufhof trifft auch den Sportfachhandel. So sollen zusätzlich zur geplanten Schließung von mindestens 62 Filialen der Warenhauskette 20 der 30 Niederlassungen von Karstadt Sports dicht machen. Die Tochterfirma ist einer der größten Sporteinzelhändler in Deutschland. Signa Retail, die Holding des österreichischen Karstadt-Kaufhof-Investors René Benko, hatte erst Anfang des Jahres den Konkurrenten Sport-Scheck vom Hamburger Otto-Konzern übernommen.

Jetzt also wird auch Karstadt Sports deutlich reduziert. Die 20 Standorte, deren Aus am Wochenende beschlossen wurde, sollen unter anderem in Köln, Düsseldorf, Dortmund, Essen, Hamburg und München sein. Dazu kommt, dass die Abteilung Einkauf Sport in der Karstadt-Kaufhof-Hauptverwaltung in Essen dicht gemacht werden soll. Diese Aufgaben würden von Frühjahr 2021 an durch Sport-Scheck erbracht, heißt es beim Betriebsrat. Insgesamt fallen allein bei Karstadt Sport 700 Jobs weg. Die Gewerkschaft Verdi hat die Warenhauskette aufgefordert, doch noch auf die geplante Schließung der Sports-Filialen zu verzichten. Der angeschlagene Warenhauskonzern hatte am Freitag die Schließung von 62 seiner 172 Häuser angekündigt. Davon sind 7500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter betroffen, die ihre Arbeit verlieren. Der Konzern hat derzeit noch 28 000 Beschäftigte. Ursprünglich hatte die Geschäftsführung sogar bis zu 80 Geschäfte dicht machen wollen. Kommunen und Politik sorgen sich um die Innenstädte, in denen die Kaufhäuser eine wichtige Rolle spielen. Das gilt oft auch für die Sporthäuser. Und der Sporthandel leidet heftig unter der Corona-Krise. Die beiden großen deutschen Anbieter - Adidas und Puma - mussten zuletzt deutliche Umsatzrückgänge hinnehmen und staatlich verbürgte Kredite beantragen. Wichtige Sportereignisse wie die Olympischen Spiele in Tokio und die Fußball-Europameisterschaft wurden verschoben, normalerweise sorgen diese für einen Umsatzschub bei Sportartikeln, etwa bei Trikots.

Die Lager der Händler sind nach der vorübergehenden Schließung der Geschäfte voll. Rabattaktionen belasten die Ertragslage, es gab wohl selten einen solchen Druck im Handel. Gleichzeitig expandiert der französische Sportartikel-Discounter Decathlon. Eine Umfrage des deutschen Sporthandelsverbands VDS ergab, dass jeder Dritte der insgesamt 5000 Sportartikelhändler aktuell um seine Existenz bangt. Seit Mitte Mai ist klar, dass die Laufschuhkette Runners Point ihre 73 deutschen Filialen schließt, 720 Mitarbeiter sind betroffen. Auch der Sportartikel-Einkaufsverbund Intersport kämpft mit vielen Problemen, hausgemachte oder verursacht durch die Corona-Krise. Laut Kartellamt kamen Sport-Scheck mit 17 Filialen und 1300 Beschäftigten und Karstadt Sports zuletzt auf einen gemeinsamen Marktanteil von unter 15 Prozent.

© SZ vom 22.06.2020

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