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Einzelhandel - Dresden:Sachsens Wirtschaftsminister wirbt für Einkauf vor Ort

Deutschland
Martin Dulig (SPD), Wirtschaftsminister von Sachsen, spricht. Foto: Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa (Foto: dpa)

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Dresden (dpa/sn) - Nach ersten Lockerungsschritten im Handel hat Wirtschaftsminister Martin Dulig die Menschen in Sachsen aufgerufen, von den Angeboten Gebrauch zu machen und lokale Händler zu unterstützen. Maßnahmen wie "Click & Collect" oder "Click & Meet" würden vor allem dann helfen, wenn sie von zahlreichen Kunden genutzt würden. "Jeder und jede ist gefragt", sagte der SPD-Politiker am Montag.

Zugleich kündigte Dulig den Start einer Kampagne an, um den Einzelhandel vor allem in den Innenstädten zu unterstützen. Für das Shoppen um die Ecke statt im Internet soll unter anderem mit Plakaten und Gewinnspielen geworben werden - geplant ist auch ein Ideenwettbewerb. Dafür können Händlerinitiativen ihre Konzepte zur Belebung der Innenstadt einreichen. Während der Internethandel boome, ziehe es immer weniger Kunden in die Innenstädte. Die Corona-Krise habe den Trend noch verstärkt, so Dulig. Mit der Werbekampagne, die Teil der Initiative "So geht sächsisch" ist, will der Freistaat dem entgegentreten.

Die Linksfraktion hingegen hält solche Kampagnen nur bedingt für sinnvoll: "Staatliche Werbekampagnen sind zwar gut und schön, sie helfen dem Handel aber kaum, wenn es weiterhin kein Förderprogramm vom Freistaat gibt", kritisierte Abgeordneter Nico Brünler. Neben Hilfszahlungen fordert die Linke unter anderem ein Zukunftsprogramm für lebendige Innenstädte. Dazu sollten etwa Kommunen beim Kauf von Immobilien unterstützt und eine kommunale Bewirtschaftung von leerstehenden Gewerbeimmobilien ermöglicht werden, hieß es. Der Dresdner FDP-Bundestagsabgeordnete Torsten Herbst kritisierte die Kampagne als "Placebo für eine echte Öffnungsperspektive für sächsische Einzelhändler". Weder "Click & Collect" noch "Click & Meet" seien kostendeckend.

Als letztes Bundesland hatte Sachsen den Bestell- und Abholservice "Click & Collect" ab Mitte Februar ermöglicht, seit diesem Montag (8. März) ist das Einkaufen mit vorheriger Terminvergabe (Click & Meet) möglich, wenn die Zahl der Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner in sieben Tagen unter 100 liegt. Im Vogtland, im Erzgebirge sowie im Kreis Nordsachsen ist diese kritische Marke derzeit allerdings überschritten. Zudem dürfen seit Montag in Sachsen Buchläden, Baumschulen, Gartenmärkte, Baumärkte und Blumengeschäfte mit einem Hygienekonzept und bei begrenzter Kundenzahl wieder öffnen. Sie gelten nun als Teil der Grundversorgung.

Nach Einschätzung des Handelsverbandes war die Nachfrage groß, die Angebote wurden bereits am Morgen gut angenommen - vor allem in den Bau- und Gartenmärkten. "Die Menschen wollen pflanzen und die Gärten, deswegen gibt es nun einen gewissen Nachholeffekt", sagte Hauptgeschäftsführer René Glaser auf Anfrage. Riesige Schlangen hätten sich aber nicht gebildet. Bei den Betrieben sei die Erleichterung über die Wiedereröffnung groß, so Glaser.

Bei dem seit Montag möglichen Shoppen mit Termin stelle sich die Situation hingegen "völlig unterschiedlich" dar, so Glaser. Manche Einzelhändler hätten eine Woche mit zahlreichen Reservierungen, für andere wiederum lohne sich "Click and Meet" mit Blick auf Personal- und Betriebskosten kaum. Das System können daher keine dauerhafte Lösung sein, betonte Glaser. Der Handelsverband fordert nach wie vor eine rasche Öffnungsperspektive.

Mit den neuesten Lockerungen gebe es für den Handel weitere Spiel- und Handlungsräume, betonte Dulig. Zugleich bat er um Verständnis, dass eine weitergehende Öffnung von Läden und Geschäften angesichts er derzeitigen Infektionszahlen vorerst nicht zu vertreten sei.

Nach Angaben des Gesundheitsministeriums stieg am Montag in Sachsen die Zahl der Neuinfektionen um 262 im Vergleich zum Vortag - auf insgesamt mehr als 198 500. Zudem wurden 13 neue Todesfälle registriert, seit Beginn der Pandemie starben damit 7994 Menschen im Freistaat im Zusammenhang mit Covid-19.

© dpa-infocom, dpa:210308-99-737510/3

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