In London ist alles teuer, mit Ausnahme der großen Museen. Darauf können sich die geplagten Einheimischen einigen, und auch Touristen bilanzieren bei der Endabrechnung ihres Urlaubs in der englischen Hauptstadt, dass sie vielleicht weniger Zeit im Pub als im British Museum hätten verbringen sollen. Dort ist gerade die Sammlung „Nordic noir“ zu sehen, mit Werken von Edvard Munch und Olafur Eliasson, der Besuch ist kostenlos.
Wer der – natürlich britisch disziplinierten – Schlange vorm Eingang entgehen möchte, kann sich online vorab ein Ticket sichern. Auf der Website ist indes der Hinweis zu lesen: „Bitte spenden Sie heute und helfen Sie, zwei Millionen Jahre Geschichte für alle zu sichern.“ Das British Museum braucht Geld, so wie andere staatliche Häuser auch. Die Not ist groß, und so könnte es bald vorbei sein mit der 2001 stolz eingeführten Gratis-Politik. Wie das die Briten aufnehmen? Man darf sich hier Munchs „Schrei“ vorstellen.
15 Gruppen von Museen, die insgesamt mehr als 45 übers Land verteilte Häuser vereinen, subventioniert das Kultusministerium derzeit. Eine halbe Milliarde Pfund erhalten sie, dazu kommen noch Zuwendungen von Sponsoren, Stiftungen, dem Lotteriefonds sowie eigene Einnahmen und Spenden. Aber die Kosten steigen, und so geht etwa die National Gallery für 2026 von einem Verlust von 8,2 Millionen Pfund (9,4 Millionen Euro) aus. Besucher sind weniger geworden, und sie geben weniger Geld im Café oder für kostenpflichtige Sonderausstellungen aus.
Der Staat ist selbst klamm. Das Finanzministerium erwog zuletzt, die Idee des kostenfreien Eintritts ganz zu verwerfen. 480 Millionen Pfund hätte die Labour-Regierung so eingespart. Der Plan scheiterte am Protest diverser Abgeordnete. Doch gibt es nach wie vor Stimmen, die das gegenwärtige Modell kritisch sehen.
Mark Jones, ehemaliger Direktor des British Museum, nannte den freien Eintritt im Telegraph ungerecht, zudem führe er zu einer chronischen Überfüllung. Britische Steuerzahler mit überschaubarem Einkommen würden den Eintritt von Touristen subventionieren, die so arm ja nicht seien, wenn sie sich einen Aufenthalt in London leisten könnten. Auch die frühere Kulturministerin Margaret Hodge empfiehlt, die Touristen zur Kasse zu bitten. Ob diese dann aber weiter so zahlreich ins Land kommen, ist eine andere Frage. Immerhin sind unter den zehn meistbesuchten Attraktionen des Landes sechs Museen, die (noch) keinen Eintritt verlangen. Dazu zählt auch die Tate Modern.
Dort mischte sich nun mit Tracey Emin eine der renommiertesten Künstlerinnen des Landes ein. Bei der Eröffnung ihrer Schau in der Tate schlug die 62-Jährige vor, dass wohlhabende Briten wie sie eine Mitgliedschaft abschließen sollten für jedes Museum, das sie besuchen. Emin stammt aus einer Arbeiterfamilie und hat mit 13 die Schule verlassen, da sei sie heilfroh gewesen, ihrem Kunstinteresse in der schon damals kostenfreien Tate nachzugehen, sagte sie.
Ihre Retrospektive läuft dort noch bis Ende August. Der Eintritt für diese Sonderausstellung beträgt zwanzig Pfund.
