Einreise Briten stoppen "Goldene Visa"

Viele EU-Länder verkaufen Pässe an reiche Ausländer - auch an dubiose. Wer viel investiert, bekommt schneller eine Aufenthaltsgenehmigung als andere. In ihrer bisherigen Form erleichtert diese Regel die Geldwäsche.

Von Björn Finke, London

Für gut 3000 Reiche aus aller Welt war es der einfachste Weg, schnell eine unbefristete Aufenthaltserlaubnis für Großbritannien zu erhalten. Seit 2008 können Ausländer sogenannte "Goldene Visa" beantragen: Sie sagen mehrere Millionen Pfund an Investitionen im Land zu und dürfen dann einreisen und einem Job nachgehen. Wer mindestens zehn Millionen Pfund anlegt, kann bereits nach zwei Jahren die unbefristete Aufenthaltserlaubnis bekommen anstatt nach fünf Jahren wie sonst üblich. Doch das Innenministerium hat nun diese Luxus-Route ins Vereinigte Königreich - und damit in die EU - geschlossen. Ein neues Programm mit härteren Regeln soll 2019 starten.

Die Regierung befürchtet, dass die 2008 eingeführten Investoren-Visa - so der offizielle Name - in ihrer bisherigen Form Geldwäsche erleichtern. Auch Geschäftsleute mit Verbindungen zu korrupten Politikern oder zu Kriminellen könnten sich das Bleiberecht erkaufen. Außerdem klagte ein Beratergremium bereits vor vier Jahren, dass die Visa der Wirtschaft kaum nützen. Schließlich investieren die allermeisten Reichen für die goldene Eintrittskarte nicht in britische Unternehmen, sondern in Staatsanleihen. Sie borgen also der Regierung Geld gegen Zinsen und werden dafür mit einer Luxus-Behandlung belohnt.

Transparency International und Global Witness, zwei Organisationen, die gegen Korruption kämpfen, veröffentlichten im Herbst eine Studie, der zufolge vier EU-Länder Investoren als Anreiz ihre Staatsbürgerschaft anbieten. Zwölf Länder offerieren wie die Briten attraktive Aufenthaltstitel. Am meisten Geld konnte damit Spanien anziehen, vor Zypern, Portugal und Großbritannien. Die Organisationen warnen, dass einige Programme nicht genau genug die Herkunft des Kapitals und die Geschäfte der Bewerber prüfen.

Die britischen Visa sind besonders beliebt bei Russen und Chinesen. Seit dem Giftanschlag von Salisbury fährt London aber eine härtere Linie gegen Oligarchen mit Verbindungen zum Kreml. Das bekam bereits Roman Abramowitsch zu spüren, der Eigner des Fußballklubs FC Chelsea. Die Verlängerung seines Visums verzögerte sich im Frühjahr, weil die Behörden sein Treiben genauer durchleuchteten. Der Milliardär zog seinen Antrag am Ende zurück. Kurz darauf wurde er israelischer Staatsbürger. Als solcher kann er ohne Visum ins Königreich einreisen.