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Einkaufstempel:Was ihr wollt

Einkaufspassage "Hofstatt´" in München, 2014

Einkaufspassage "Hofstatt" in München

(Foto: Florian Peljak)

Karstadt kämpft gegen den Untergang - und alle reden vom Ende des traditionellen Warenhauses. Die Kunden von heute kauften online ein, heißt es. Aber stimmt das? Ein Stuttgarter Familienunternehmen beweist, dass das Kaufhaus noch nicht am Ende ist.

Der beste Platz bei Breuninger in Stuttgart ist im Untergeschoss. Es gibt da einen Süßigkeiten-Tunnel: eine pink beleuchtete Röhre voll mit Lakritztalern, Erdbeerschnüren und sauren Cola-Krachern. Es ist ein Ort, an dem Kinder große Augen kriegen und Erwachsene milde lächeln. An dem mit Zellophantüten geraschelt und Taschengeld abgezählt wird, es ist ein Endlich-ist-die-Schule-aus-Ort. Hier drinnen, fünf, sechs Meter lang vielleicht, gibt es keine Probleme.

Draußen auch nicht.

1881 eröffnete Eduard Breuninger sein erstes Textilgeschäft in Stuttgart. 133 Jahre später betreibt das Familienunternehmen elf Einkaufstempel in Deutschland. Jahresumsatz 630 Millionen Euro, 5500 Mitarbeiter. Jüngster Neuzugang ist das Haus am Kö-Bogen nahe der schicken Flaniermeile in Düsseldorf, das im Oktober 2013 eröffnet wurde. Neue Filialen in München, Hamburg und Frankfurt in bester Innenstadtlage sollen dazukommen. Die Eigentümerfamilien sind in Expansionslaune.

Die einen scheitern. Die anderen expandieren. Wie kann das sein?

Wie kann das sein? Konkurrenz Karstadt kämpft gerade gegen den endgültigen Untergang - und oft kann man in diesem Zusammenhang hören und lesen, dass das Modell eines traditionellen Kaufhauses nun mal nicht mehr zu den Einkaufsgewohnheiten der Menschen des Jahres 2014 passe. Der Fall Breuninger lässt erahnen, dass das vielleicht gar nicht stimmt. Klar ist: Der Verdrängungswettbewerb ist brutal. Und nur jene, die weit mehr zu bieten haben als bloß das Kleid von der Stange, werden ihn überleben.

Wichtigster Konkurrent für die Warenhäuser ist heute, natürlich, das Internet. Der Traumschuh im Schaufenster nützt wenig, wenn er dort an einem Sonntagabend entdeckt wird. Damit das gleiche Modell dann nicht beim Online-Händler geordert wird, müssen die Kaufhausbetreiber flexibel sein: etwa mit einer App fürs Smartphone, mit der man die Schuhe aus dem Schaufenster sofort bestellen kann.

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Perfekter Service vor Ort, aber auch im Netz, darauf setzt auch Breuninger. Das Luxus-Konzept, erfunden ausgerechnet im Land der sparsamen Schwaben, kommt an - auch jenseits der Landesgrenzen. Die internationale Handelsorganisation GDSS kürte die Kette zum drittbesten Warenhausbetreiber der Welt, direkt hinter den weltweit bekannten Marken Selfridges in Großbritannien und Macy's in den USA.

Doch warum scheitern die einen, während die anderen expandieren? Hört man den Machern von Breuninger zu, dann bekommt man zumindest ein Gefühl dafür. Wer seine Kundschaft glücklich machen will, muss investieren, vor allem in motiviertes Personal. "Ein Jahr vor der Eröffnung in Düsseldorf haben wir begonnen, Mitarbeiter über mehrere Monate hinweg zu schulen, damit sie unsere Philosophie verinnerlichen", sagt ein Sprecher. Zweitens: Die Atmosphäre muss stimmen, von der Architektur über das Lichtkonzept bis zur Hintergrundmusik. Und drittens: Das Angebot muss vom Feinsten sein, im Kaufhaus wie im Online-Shop, schnell und unkompliziert verfügbar.

Wer Einkaufen zum Erlebnis machen will, braucht also nicht nur gute Ideen, sondern auch Kapital. "Genau das ist das Problem von Karstadt", sagt Handelsexperte Thomas Roeb, Professor an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg. "Es ist bisher gar nicht richtig versucht worden, das Unternehmen zu sanieren, weil dafür einfach das Geld fehlt." Dass Karstadt-Managerin Eva-Lotta Sjösted so schnell das Handtuch warf, wundere ihn nicht. "Ich glaube nicht, dass Karstadt als eigenständige Marke in zehn Jahren noch existieren wird, wenn Eigentümer Nicolas Berggruen nicht endlich in das Unternehmen investiert."