Einigung in der Schuldenkrise:Amerikas Trost: Wenigstens besser als Europa

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Dabei bräuchte Amerika genau dies: einen grand bargain, eine Verständigung darüber, wie viel die Bürger dem Staat geben sollen, wie die Lasten der unvermeidlichen Sozialreformen verteilt werden. Und nötig wäre ein Konsens darüber, wie viel sich die USA ihre Großmacht-Rolle kosten lassen wollen und welche militärischen Verpflichtungen sie für ihre Verbündeten noch eingehen wollen.

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Barack Obama verkündet die Details des Kompromisses im US-Schuldenstreit.

(Foto: AFP)

Die Verständigung wird irgendwann kommen, so flexibel war das politische System der USA bisher immer noch. Aber es ist gut möglich, dass der Kompromiss erst dann eine Chance hat, wenn das Umfeld der Weltwirtschaft noch viel ungünstiger ist als heute. Niemand kann fürs erste die Bürgerkriegsatmosphäre vergessen, in der der ganze Schuldenkampf stattgefunden hat. Das lastet auf Amerikas internationaler Reputation, oder, aus Sicht der Finanzmärkte: Die Dysfunktionalität Washingtons ist ein Risikofaktor, der künftig einkalkuliert werden muss.

Nun ist Amerika nicht Griechenland, alle Anspielungen in diese Richtung sind nicht ernst zu nehmen. Die Schulden machen knapp 100 Prozent der Wirtschaftsleistung aus und nicht 150 Prozent; der Kapitalmarkt ist ergiebig, und hinter allem steht eine leistungsfähige und produktive Volkswirtschaft. Trotzdem haben die amerikanische und die europäische Schuldenkrise miteinander zu tun. Noch nie in Friedenszeiten waren die Haushalte der Industriestaaten so verschuldet. Das bedeutet eine massive Schwächung des Teils der Welt, den man immer noch "den Westen" nennt.

Die Länder, die bis vor kurzem die Geschicke der Welt unter sich ausmachten, befinden sich in der Summe auf einem finanzpolitischen Weg, der nicht nachhaltig ist. Die Groteske, die in den vergangenen Wochen in Washington zu beobachten war, hat das eindrucksvoll unterstrichen.

Aber auch die Tatsache, dass Europas Schuldenkrise erkennbar noch nicht gelöst ist, kostet Einfluss in der Welt. "Das Gute für uns ist, dass wir uns mit Europa und Japan in einem Wettlauf um den Titel der finanziell verantwortungslosesten Supermacht befinden", schrieb der amerikanische Autor Walter Russell Mead. "Und gegenwärtig haben die Europäer und Japaner einen substantiellen Vorsprung in dem Rennen."

Man mag sich nach den vergangenen Tagen in Washington darüber streiten, ob es diesen Vorsprung wirklich noch gibt. Für Europa wäre das ein geringer Trost. Die Staatsschulden sind ein epochales Problem von globaler Dimension. Und dessen Lösung hat, bestenfalls, gerade erst begonnen.

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